10 Tipps, um Kinder für eine biovegane Ernährung zu begeistern

Wenn du dazu beitragen möchtest, dass Kinder und Jugendliche die Vorteile einer bioveganen Ernährung verstehen lernen und sie als schmackhafte Alternative erleben, dann bietet dir dieser Artikel wertvolle Tipps, damit dir dies gelingt. Auch wenn du andere, ähnliche Workshops zu Themen wie Konsum & Lebensstile, Ernährung, globale Gerechtigkeit entwickeln und umsetzen willst, gibt dir dieser Artikel viele Anregungen, um best-practice-Kriterien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu verstehen.

Vegane oder sogar biovegane Kinderprojekte sind – zumindest im deutschsprachigen Raum – bisher noch selten zu finden. Dabei wäre es sehr wichtig, dass gerade Kinder, die unsere Zukunft sind, die vielfältigen Vorteile dieser Ernährungsalternative kennenlernen, erproben und sich mit der dahinter stehenden Ethik der Ehrfurcht vor allem Leben auseinandersetzen dürfen. Wenn es dir auch ein Herzensanliegen ist, Kinder für den Schutz allen Lebens und die Vision einer friedlichen, gewaltfreien Erde zu begeistern, dann können dir die nachfolgenden Tipps helfen, selbst ebenfalls erfolgreiche Kinderprojekte zu entwickeln und umzusetzen.

  1. Beachte und betone stets die Freiwilligkeit
    Seinen Ernährungsstil ändert jeder Mensch nur freiwillig. Nicht in allen Situationen haben sich Kinder oder Jugendliche deinen Workshop freiwillig ausgesucht, sondern – z.B. in der Schule – steht das einfach auf dem Programm. Gleichgültig unter welchen Rahmenbedingungen du deinen Ernährungsworkshop hältst – betone stets die Freiwilligkeit.
    Bei Schulprojekten frage ich z.B. zu Beginn, wer denn heute gekommen wäre, wenn die Schule absolut freiwillig wäre, sie also völlig frei entscheiden könnten, ob sie zur Schule gehen oder nicht. Dann erläutere ich anschließend, wie unglaublich wichtig das ist, was sie heute lernen und erproben dürfen und dass sie damit einen großen Einfluss auf das Wohl der Erde, der Tiere, der Menschen und der Natur haben. Nach einer solchen Einführung frage ich dann erneut ab, ob sie wirklich freiwillig an dem nachfolgenden Workshop teilnehmen wollen.
    Bei unseren fünftägigen Ferienprojekten fragen Kinder manchmal, ob sie sich an dem einen Nachmittag, an dem wir eine Einkaufsforschertour machen und sie sich auch privat etwas einkaufen können, ausschließlich vegane Sachen kaufen dürfen. Wir betonen stets, dass JedeR selbst die Verantwortung dafür trägt, was er oder sie mit seinem Taschengeld einkauft. Das kann dann dazu führen, dass Kinder auch den Unterschied zwischen pflanzlicher Biokost und tierischer, konventioneller Kost sensibler wahrnehmen. Ein Junge, in dessen Familie es laut seiner Aussage, jeden Tag Fleisch und Wurst gibt, war bei seinem Privateinkauf heißhungrig auf einen Döner, den er sich von seinem Taschengeld kaufte. Doch später, bei unseren Mahlzeiten im Ferienprojekt, äußerte er anerkennend, dass das von uns gemeinsam mit einer Kindergruppe zubereitete biovegane Essen „besser als ein Döner“ war. Spaßeshalber fragte ihn eine Betreuerin: „Gibst du uns das schriftlich“? Das tat er:
    Besser als Döner
  2. Partizipation – Kinder bestimmen mit
    Sehr wichtig ist es für uns, alles, was wir tun, stets mit den Kindern zu besprechen, ihre Ideen aufzugreifen und Wahlmöglichkeiten anzubieten. So sind unsere Mahlzeiten meistens buffetartig – das heißt, man kann sich z.B. seinen gemischten Salat selbst zusammenstellen, sich für oder gegen bestimmte Angebote entscheiden (z.B. Wahl zwischen Grillkartoffeln, veganen Würstchen, veganem Tzatziki, Dips etc.). Wenn Kinder besondere Ideen, z.B. Smoothies oder Grillbananen mit Schokosoße, haben, versuchen wir stets, das zu ermöglichen. Denn es kommt immer gut an, wenn die Kinder spüren, dass ihre Ideen Anklang finden und umgesetzt werden.
  3. Vorleben der sieben Hauptregeln einer gesunden veganen Ernährung7_Hauptregeln-gesund-vegan
    Viele Kinder werden leider von klein auf darauf getrimmt, bevorzugt Weißmehlprodukte, viel zuckerhaltige Nahrung, viel Öl und wenig frisches Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Du kannst jedoch – wenn du Widerstände bemerkst, es bei deinem Projekt einmal anders auszuprobieren – immer Kompromisse finden, den Kindern die sieben Hauptregeln einer gesunden veganen Ernährung erklären und nach Lösungen suchen, die nicht nur gut schmecken, sondern auch diesen Hauptregeln entsprechen. Wir mischen dann z.B. bei Spaghetti Vollkorn- und Weißmehlspaghetti je zur Hälfte, womit in der Regel alle einverstanden sind.
    Wenn diese Hauptregeln in deinem Projekt vorgelebt werden – und vor allem du dies in deiner Ernährung auch so hältst – dann gelingt es unserer Erfahrung nach auch leicht, die Kinder zum Ausprobieren von Neuem zu motivieren.
  4. Selbstreflexionsfähigkeit und kritisches Denken fördern
    Wenn du meinst, es sei wichtig, den Kindern bestimmte Fakten „einzutrichtern“, dann bist du bereits auf dem falschen Pfad. Kinder nehmen – wie wir alle – das auf, was sie beeindruckt, interessiert oder überrascht. Alles andere vergessen sie schnell wieder.
    Viel wichtiger als die Vermittlung von Information ist es, immer wieder Anregungen zur Selbstreflexion zu geben. Wenn Kinder z.B. stolz darauf sind, ihr neu erworbenes Wissen in Interviews mit Erwachsenen bei einer Einkaufsforschertour zu testen, erfahren sie einerseits, dass sie selbst wirklich sehr wichtige Dinge gehört haben und die meisten Erwachsenen darüber nicht Bescheid wissen. Beispiel: Wie viel Wasser wird bei der Herstellung von 1kg Rindfleisch (ca. 10 Schnitzeln) verbraucht, wie viel bei der Herstellung von 1kg Äpfeln? Die Antwort: 15.500 Liter für 1kg Rindfleisch, 700 Liter für 1kg Äpfel. Mit 15.500 Liter Wasser könnte ein Mensch ein Jahr lang täglich duschen.
    Nach der Interviewphase kannst du die Kinder fragen, ob sie meinen, dass Menschen, die das hören, ihr Ernährungsverhalten wohl verändern werden, wenn nein, warum nicht. Damit regst du zum Nachdenken an – und möglicherweise erkennt sich der eine oder die andere auch selbst dabei.
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  5. Kinder stärken – das Positive bejahen
    Kinder lassen sich meist schnell begeistern und sind dann sehr motiviert und stolz darauf, sich zu Erdschützerinnen und Erdschützern zu entwickeln. Es kann aber bei manchen Kinder auch Tage geben, an denen sie mutloser oder einfach weniger motiviert sind, weil es gerade andere Dinge gibt, die ihnen mehr Spaß machen oder die sie belasten.
    Wichtig ist es, dass du dann keinen Druck aufbaust, sondern das Positive, was du in ihnen siehst und schätzt, hervorhebst und sie erneut einlädst, als Teil eures Teams zum Schutz der Erde beizutragen – freiwillig. Sage ihnen, was du an ihnen schätzt, warum sie wichtig sind und warum es so wichtig ist, als Gruppe gemeinsam etwas zu bewegen.
    Was du an positiven Veränderungen und Verhalten bei den Kindern bemerkst – sage es ihnen. Du wirst sie stärken und es wird sich eine Atmosphäre des guten Miteinanders aufbauen, in der die Kinder sich gefordert und gefördert fühlen – und immer mehr Begeisterung entwickeln, weil sie sich über das Positive – auch ihr eigenes Positives – freuen, das ihnen bewusster wird.
  6. Empathie, Einfühlungsvermögen und Respekt fördern
    Wenn du Workshops abhalten darfst, bei denen es nicht nur um Ernährung, sondern auch um eine Vertiefung der eigenen Beziehung zu Natur und Tieren geht, hat dies große Vorteile. Denn es wird dann immer wieder Situationen geben, in denen die Kinder nicht nur im Herzen berührt sind – weil sie von der schönen Natur begeistert sind oder weil sie überraschend ein frei lebendes Tier entdeckt haben -, sondern auch sehr offen für Anregungen sind, die ihr Einfühlungsvermögen, ihre Empathie sowie die Achtung vor allem Leben fördern.
    Begegnung mit Frosch.Bei unseren natur- und mitweltpädagogischen Projekten kommt es immer wieder vor, dass Kinder ein Tier, z.B. einen Frosch einfangen wollen. Ich bitte sie dann, diesen nicht festzuhalten, sondern ihn frei zu lassen, aber ganz bewegungslos zu verharren. Es ist großartig, wie aufmerksam und gespannt die Kinder dem folgen und einige Zeit still den Frosch beobachten. Anschließend kannst du dann die Kinder fragen, wie sich der Frosch wohl gefühlt haben mag oder wie sie sich fühlen würden, wenn sie der Frosch wären und plötzlich eine Horde lauter Riesen auf sie zukäme, die sich auf sie stürzen und sie festhalten wollen. In solchen Situationen sprudeln die Kinder nur so vor Ideen, einfach, weil die Situation so spontan entstanden ist und sie berührt hat. Auf solche Erfahrungen kannst du später wieder aufbauen, indem du die Frage, wie sich Tiere fühlen, wenn … auch in Bezug darauf stellst, ob wir Tiere essen oder anderweitig für unsere Zwecke nutzen wollen und dabei in Kauf nehmen, dass sie leiden oder getötet werden.
  7. Gute Methoden
    Selbstverständlich brauchst du auch gute, spielerische Methoden, um Informationen zu vermitteln, um zur Selbstreflexion anzuregen oder um Gefühle für alle Mitlebewesen zu vertiefen. Das ist sozusagen dein Handwerkszeug. Eine Fülle von Anregungen dafür findest du z.B. im Handbuch sowie der dazugehörigen DVD „Das Erdschützerprojekt – Pädagogik für eine lebenswerte, friedliche Zukunft“. Auf der Seite des Erdschützerverlags kannst du auch viele Arbeitshilfen herunterladen, um die Methoden aus dem Handbuch und der DVD anwenden zu können. Der nachfolgende Filmclip gibt dir ein Beispiel, wie der Zusammenhang von Landverbrauch und Ernährung spielerisch vermittelt werden kann:
  8. Sich selbst und andere gut motivieren können
    Kannst du dich selbst gut motivieren? Wenn du dich ständig weiterbildest, dir Filme anschaust oder Bücher liest, die zum Thema „biovegane Kinderernährung“ passen, dann motivierst du auch ständig dich selbst, weil dir immer stärker bewusst wird, wie gut und wichtig das ist, was du pädagogisch tust. Wenn dir das Leiden der Tiere, vieler Menschen sowie die Zerstörung der Natur unter die Haut geht – mit jeder Information zum Thema noch mehr – dann wird es dir ein Leichtes sein, zu erkennen, wie unglaublich privilegiert wir in den reichen Ländern sind und welche hohe Verantwortung sich daraus ergibt, einen positiven Wandel vorzuleben. Je bewusster dir dies selbst ist, umso leichter wird es dir fallen, wenn die Kinder – und möglicherweise auch dein Team – irgendwann einen „Durchhänger“ haben und vielleicht lieber „chillen“, anstatt sich als ErdschützerInnen weiterentwickeln wollen. Wie oben bereits gesagt: Es geht nicht darum, Druck aufzubauen. Aber wenn du selbst ein Vorbild an Motivation bist, weil du dich tagtäglich darin übst, dich selbst zu motivieren, dann wird es dir auch gelingen, alle Beteiligten dafür zu gewinnen, die kostbare Zeit in der Gemeinschaft zu nutzen, um neues zu lernen und zu erfahren.
  9. Eltern einbeziehen
    Wo immer möglich solltest du versuchen, Eltern – z.B. bei einem vorbereitenden Elternabend – oder bei einer Abschlusspräsentation (oder beides) einzubeziehen. Ebenso durch einen Elternbrief o. ä. Es ist sehr wichtig, dass für Eltern transparent wird, wie du vorgehst, dass du Niemandem etwas überstülpen willst und dass sie sich von deiner Fachkompetenz überzeugen können. Mit einem Augenzwinkern kannst du auch sagen, dass dein Projekt gewisse Risiken und Nebenwirkungen habe, denn es könne sein, dass ihr Kind nach hause kommt und auch den Eltern noch etwas beibringen will. Es ist wichtig, dass die Kinder die Wertschätzung ihrer Eltern für das, was sie gelernt und erprobt haben, erfahren und dass alle Beteiligten die Möglichkeit haben, eventuelle Ängste, Vorbehalte oder Fragen offen aussprechen zu können.
  10. Leckere Alternativen ausprobieren
    Bei unseren Kinderferienprojekten, die seit 2015 rein biovegan sind, betone ich immer wieder, dass wir ein „1000-Sterne-Zeltlager“ sind und die Kinder uns bitte sofort sagen sollen, wenn ihnen etwas nicht schmeckt oder wenn sie auf unserem Speiseplan etwas vermissen. Das meinen wir auch völlig ernst. Manchmal kommt es vor, dass „normale (Kuh)milch“ vermisst wird. Schokohafermilch wird zwar in der Regel von allen Kindern geschätzt, nicht alle mögen jedoch die anderen pflanzlichen Varianten wie Reis-, Hafer- oder Sojamilch.
    Das ist natürlich eine Herausforderung. Hier gilt es, zu experimentieren. Mit einem solchen Rezept, wie hier beschrieben, stießen wir bei allen Kindern auf großen Anklang. Statt den Haferflocken kannst du auch Cashewbruch verwenden. Das schmeckt dann noch überzeugender. Lade die Kinder ein, „normale Milch“, die selbst gemixt wurde, auszuprobieren. Gegebenenfalls kannst du dies auch zum Anlass nehmen, mit den Kindern darüber zu reden, was denn eigentlich „normal“ ist. Ist es „normal“, dass ein Säugetier die Muttermilch eines anderen trinkt? Gibt es ein anderes Säuge“tier“ als den Menschen, das so handelt? Warum tun wir das?

Hast du weitere Anregungen, Ideen oder Fragen? Dann freuen wir uns über deinen Kommentar.

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