3 Tipps, wie Du Dich zur Pionierin / zum Pionier für den Wandel entwickeln kannst

Das Zitat von Gandhi

„Sei Du selbst der Wandel, den Du Dir auf der Erde wünschst“

wird von Vielen verwendet. Doch was heißt das genau? Welcher Wandel ist damit gemeint? Wie sieht das konkret im Alltag aus? Und was bedeutet das insbesondere für Menschen, die den Wandel in der Bildung mitgestalten wollen?

Der individuelle, persönliche Wandel, Selbstreflexion und Selbstveränderung, sind im Konzept Bildung zum Schutz der Erde eine wesentliche Basis. Leider sind die allermeisten Schulen keine Orte, wo alle Beteiligten, Lehrkräfte, SchülerInnen und Eltern zum Experimentieren, zum Ausprobieren von Neuem, zur Selbstreflexion und Selbstveränderung angeregt werden. Selten gibt es so genannte offizielle Versuchsschulen, an denen das Lehrerteam mehr Freiheiten zum Ausprobieren als andere Schulen erhält. Eigentlich sollte aber jede Schule eine offizielle Versuchsschule sein.

Darum verwundert es nicht, wenn es vielen Menschen schwerfällt, Neues auszuprobieren, ihren Konsum- und Lebensstil ständig zu reflektieren und zu ändern, aus „gewohnten Bahnen“, die wir kennen, auszubrechen und eine Pionierin oder ein Pionier für eine lebenswerte, friedliche Zukunft zu werden. Zahlreiche Ängste hindern uns daran. Wenn wir derartige Ängste aber nicht ehrlich anschauen, sie analysieren und konkrete Schritte tun, um sie zu überwinden, dann sickern sie ins Unterbewusstsein. Dann werden wir irgendwann unsere Träume von einer friedlichen, gerechten Erde begraben, uns anpassen und mit dem Strom mitschwimmen. Damit das nicht passiert, schreibe ich diesen Beitrag, denn ich möchte Dich dabei unterstützen, dass Du Dir mehr zutraust und dass Du Schritt für Schritt zur Pionierin / zum Pionier des Wandels wirst – wenn Du das möchtest. Ich möchte Dich ermutigen, Neues auszuprobieren, neue Wege zu wagen und Dich zum Perspektivwechsel einladen. Denn für den Wandel auf dieser Erde brauchen wir solche mutigen PionierInnen, die aus Liebe zur Erde etwas wagen und an eine Veränderung (auch ihre eigene) glauben.

 

  1. Probiere in Deinem Alltag neue praktische Dinge aus

Nichts ist schlimmer als Routine, auch wenn das vielleicht ganz bequem zu sein scheint. Es kommt vor allem darauf an, neue Erfahrungen zu machen. Du kannst z.B. ausprobieren, mal eine Woche / einen Monat lang so viel wie möglich selbst herzustellen, um Verpackung zu sparen, Du kannst neue Kochrezepte (z.B. vegane Milch- oder Käsealternativen) ausprobieren oder / und ausprobieren, wie Du Dich fühlst, wenn Du eine gewisse Zeit ganz vegan lebst. Du kannst ausprobieren, wie es Dir mit einer optimierten veganen Ernährung geht, die z.B. Brendan Brazier in seinem Buch „Vegan in Topform“ vorschlägt. Du kannst Dir vornehmen, eine Zeit lang nur von Lebensmitteln zu leben, die sonst weggeworfen werden oder ohne Geld zu leben, oder zu fasten oder Plastikfasten (nichts zu kaufen, was in Plastik verpackt ist und keine Plastiktüten verwenden). Du kannst ausprobieren, Dich gleichzeitig (z.B. auf einem Trampolin) zu bewegen, während Du am Computer arbeitest. Du kannst testen, wie Du den Gebrauch Deines Autos (sofern Du eines hast) auf ein Minimum verringerst, indem Du trampst oder mit dem Fahrrad fährst.

Während dies alles Möglichkeiten sind, mit Hilfe derer Du dazu beitragen kannst, dass die Um- und Mitwelt, sowie Tiere, Menschen und Natur weniger geschädigt werden und Du gleichzeitig gesünder, bewusster, sparsamer bzw. effizienter lebst, gibt es auch unendlich viele Möglichkeiten, wie Du Deinen Konsum- und Lebensstil so verändern kannst, dass Du mehr Verantwortung für andere übernimmst, z.B. ganzjährig Futter und Wasser für Vögel bereit zu stellen, ausmisten und verschenken, was Du übrig hast, Dich als „Buddy“ für Menschen auf Websiten eintragen, die ihre Ernährung auf vegetarisch oder/und vegan umstellen wollen u.v.m.

Spannend ist auch der praktische Vorsatz, Dein (positives) Denken, Deine Zielorientierung, Deine Ernährung sowie Dein Gleichgewicht aus Entspannung und Bewegung immer mehr so zu optimieren, dass Du Dich immer energiegeladener fühlst und somit auch mehr Kraft, Zeit und Energie für die Dinge hast, die Du zum Wandel auf der Erde beitragen willst.

Wenn Du verschiedene Newsletter abonniert hast und in sozialen Netzwerken unterwegs bist, wirst Du wahrscheinlich von diesen und vielen anderen Möglichkeiten schon öfter gehört haben. Nur – hören und tun sind zweierlei Dinge. Insofern ist es hilfreich, wenn Du Dir Deine persönlichen, praktischen Veränderungen, die Du Dir vornimmst, aufschreibst und täglich oder wenigstens einmal in der Woche überprüfst, was geklappt hat, was nicht – und warum – und welche Erfahrungen Du dabei gemacht hast. Wenn Dir irgendwann ein Freund oder eine Freundin begegnet und Dich fragt: „Was gibt es Neues bei Dir“ – und Du antwortest: „Eigentlich nix“, dann könnte das ein Tagesimpuls sein, zu überdenken, ob Du wirklich gelebt oder nur vegetiert hast, also in Deiner Gewohnheits- und Alltagsroutine verharrt bist.

Wenn das so sein sollte, ist es aber wichtig, dass Du Dich nicht selbst verurteilst oder niedermachst, sondern reflektierst, warum, von was oder wem Du Dich von Deinem Ziel abbringen lassen hast. Dann gewinnst Du Selbsterkenntnis.

Bei unseren Kinder- und Jugendprojekten ermuntern wir die Beteiligten am Ende immer, sich – wenn sie das wollen – kleine oder größere Vorsätze für ihren Alltag vorzunehmen, um damit einen Beitrag dazu zu leisten, dass ihre Um- und Mitwelt weniger geschädigt, sondern mehr geschützt wird. Es versteht sich von selbst, dass wir selbst Erfahrungen bei solchen Veränderungsschritten gesammelt haben sollten und auch ständig weiter sammeln, wenn wir Kindern derartige Vorschläge machen. Sonst wäre das nicht authentisch.

  1. Setze Dir Tagesziele für innere Veränderung und werte sie aus

Es kommt aber nicht nur auf solche äußeren, praktischen Veränderungen an, die Du meist ganz konkret quantitativ messen kannst und die Du gegebenenfalls auf irgendeinem Blog mit Foto veröffentlichen könntest. Es kommt auch auf unseren inneren Wandel an. Dafür habe ich in dem Artikel Visions- und Werteorientierung von Bildung zum Schutz der Erde bereits etliche Anregungen gegeben.

Bei mir selbst ist es so, dass meine inneren Schritte der Veränderung immer auch mit den anderen Punkten, die ich hier beschreibe zusammenhängen. Bei unserem Kinderferienprojekt „Das Geheime Netz“ erproben wir dieses Jahr zum ersten Mal, keinen konkreten Preis zu verlangen, sondern nach dem „Pay what you want“-Prinzip zu verfahren, die Eltern also einzuladen, einen Beitrag nach Selbsteinschätzung zu geben. Dabei soll aber noch nicht einmal die Tätigkeit der beteiligten Teammitglieder vergütet werden, weil wir das Projekt aus der selbstlosen Motivation heraus machen, alles, was wir nicht zur Deckung der Sachunkosten benötigen, für unser vor dem Schlachter gerettetes Patenschwein zu spenden, das nun auf einem Lebenshof ein glückliches Leben bis zu seinem natürlichen Tod leben darf.

Selbstverständlich regt mich allein diese Entscheidung dazu an, Etliches in meinem Leben auf den Prüfstand zu stellen und mir selbst die Frage zu stellen: Wo lasse ich mich noch von „Schnäppchen“, Rabatten oder Ähnlichem verleiten, um Dinge zu konsumieren? Wann, wo und von wem bekomme ich etwas geschenkt (passiert z.B. bei der Suche im Internet ständig), sei es ein kostenloser You-Tube-Kurs, ein kostenloser Tipp, ein kostenloses Kochrezept, eine kostenlose Veranstaltung? Zeige ich dabei immer in ausreichendem Maße meinen Dank und meine Wertschätzung? Dadurch ist mir nochmals viel bewusster geworden, wie viel ich tagtäglich leistungslos geschenkt bekomme. Also habe ich mir vorgenommen „Ich gebe freiwillig mehr, als ich unbedingt muss“. Mit diesem Vorsatz sammle ich Erfahrungen.Das ist ein kleines Beispiel, das jedoch nicht nur mein Bewusstsein verändert, sondern auch meine Beziehungen zu meiner Mitwelt. Die Beziehungsqualität zu unserer Um- und Mitwelt ist wiederum ein Schwerpunktthema bei unserem Kinderferienprojekt „Das Geheime Netz“, bei dem es darum geht, uns bewusster zu werden, wie wir durch ein unsichtbares Netz, durch Beziehungen, mit anderen Lebewesen sowie der Erde verbunden sind. Es versteht sich von selbst, dass all’ die inneren Schritte, die jedes einzelne Teammitglied dabei bereits gemacht hat, Vorbildfunktion für die Kinder hat. Dem Einen wurde vielleicht bewusst, dass er durch den Konsum tierischer Lebensmittel in einer gewalttätigen Beziehung zu Tieren steht, dem Anderen, dass er mit seinem Konsum in ausbeuterischer Weise mit Menschen in anderen Ländern verbunden und an deren Elend mitverantwortlich ist. Es gibt jedoch noch viele weitere Aspekte, z.B. dass wir unsere Veränderung darauf beschränken, selbst alternativer zu leben, aber (noch) nicht daran gedacht haben, auch etwas an Tieren und Natur wieder gut zu machen.

48.Lebensnetz

Thema des Kinderprojekts „Das Geheime Netz“: Sich der Qualität unserer Beziehungen im Lebensnetz bewusster werden

 

  1. Nimm Dir konkrete Dinge vor, die Du frei lernen willst

Wenn Du einE PionierIn werden willst – und das sage ich aus Erfahrung – wirst Du ständig neue Dinge lernen dürfen. Das ist eine wundervolle Chance, wenn Du sie als solche erkennst. Es kann aber auch eine Mühe oder Last sein, wenn Du (noch) nicht gelernt hast, frei – ohne Druck, ohne Zwang, ohne die Bestätigung durch eine Institution (Zertifikat) – das zu lernen, was Dir Freude macht, worin Du einen Sinn siehst, wofür Du brennst und was der Erreichung Deiner selbst gesetzten Ziele dient. Leider ist es ja so, dass die allermeisten Menschen das Freilernen nicht, jedenfalls nicht in der Schule, gelernt haben. Das prägt und führt dazu, dass wir in der Schule, in der Ausbildung, in unserem Studium, an unserem Arbeitsplatz die Dinge „hinter uns bringen“ und das tun, was man von uns verlangt, also unsere „Pflichtübungen“. Doch als PionierIn solltest Du lernen, Dein Lernen selbst zu organisieren, Dir Deine eigenen Lern- und Forschungsziele stecken, Dir einen eigenen Lern- und Lebensplan machen. Ein Lerntagebuch kann Dir dabei eine große Hilfe sein, weil Du beim Schreiben reflektierst, was Du denn eigentlich gelernt hast, was Dir gelungen ist, was noch nicht und was Du anpacken wirst. Wenn Du etwas Neues gelernt hast und Dir etwas gelungen ist, dann solltest Du das auch feiern und Dich daran erfreuen. Denn nichts ist selbstverständlich.

Du solltest lernen, Deinem Herzen und Deinem selbst gesteckten Ziel zu folgen, dann wirst Du über die Impulse des Tages auch spüren lernen, welche inneren oder äußeren Lernschritte für Dich anstehen. Zum Freilernen gehört dann auch dazu, dass Du – aus Liebe zu Deiner Herzenssache, zu Deinen Mitlebewesen und der Erde – die notwendige Selbstdisziplin entwickelst, um Dein Freilernen zu strukturieren, zu planen und konsequent umzusetzen. Wo Du selbst nicht weiterkommst und Hilfe brauchst, wirst Du Dir die nötige Hilfe suchen. Du solltest lernen, Dich von der Anerkennung und vorgefertigten Lernmustern unabhängig(er) zu machen. Du solltest selbst an Dich und Dein Ziel glauben, ohne Dich von den vielen gut meinenden Menschen beirren zu lassen, die nicht den gleichen Mut wie Du haben und sich vor den Erfahrungen, die Du machst, noch scheuen.

Mit Lernen meine ich dabei nicht nur äußere Kompetenzen wie z.B. den Umgang mit Computerprogrammen, wie Du einen Business- oder Projektplan gestaltest, wie Du ein Projekt, innovative Methoden oder ein Lernspiel entwickelst, wie Du die richtigen Menschen für Dein Team findest, wie Du Deine innovativen Ideen bekannt machst, wie Du ein Ferienprojekt bewirbst und vieles mehr. Auch das Erlernen innerer Qualitäten gehört dazu. Vielleicht bist Du Jemand, der Konflikten eher aus dem Weg geht oder sich nicht traut, sich zu Wort zu melden, weil dabei vielleicht irgendetwas Unerwartetes auf Dich zukommen könnte. Vielleicht bist Du Jemand, der seine Zeit schlecht planen kann und immer alles „auf den letzten Drücker erledigt“. Vielleicht bist Du Jemand, der schlecht zuhören kann, weshalb es immer wieder zu Unklarheiten und Missverständnissen kommt. All’ das könnte auch Thema Deines inneren Lernprogramms sein, das Du Dir vornimmst, indem Du analysierst, warum Du bestimmte Dinge so und nicht anders machst und wie Du Dich entwickeln willst.

Wenn Du selbst Erfahrungen an Dir gemacht hast, wie Freilernen funktioniert, wie Du Dich selbst motivierst und begeisterst, wie Du auftauchende Herausforderungen anpackst, wie Du Dir selbst Ziele setzt usw., dann bist Du auch in dieser Hinsicht ein Vorbild für andere, seien es Kinder und Jugendliche, mit denen Du pädagogisch tätig bist oder seien es andere Menschen aus Deinem Umfeld. Und genau solche Menschen, die das freudige, selbst motivierte, freiwillige Lernen mit dem Ziel einer friedlichen, gerechten Zukunft vorleben, das wird in dieser Zeit dringend gebraucht.

Bei allem, was wir als werdende PionierInnen des Wandels anpacken, wird uns eines immer hilfreich sein, falls wir mal den Mut verlieren: Mache Dir immer bewusst, dass Du das, was Du an Neuem in die Welt bringen willst, nicht für Dich machst. Denke an die vielen, vielen Menschen, für die Du Vorbild sein und denen Du mit Deinem Pioniergeist Mut machen willst. Das wird Dir Kraft geben durchzuhalten.

Was nimmst Du Dir noch heute vor, in Deinem Leben zu verändern? Schreibe es Dir auf, jetzt sofort. Welche Gedanken und Ideen hast Du? Berichte uns gerne darüber in einem Kommentar.

Fortsetzung folgt. Nächste Woche 3 weitere Tipps:

1. Nimm Dir Experimente vor – sei ein/e Forscher/in
2. Schaffe Dir Zeiträume / Freiräume, um Dich für das zu engagieren, was Dir wirklich am Herzen liegt
3. Lerne Projekte zu entwickeln, die zum Wandel auf der Erde beitragen

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