Best-practice-Kriterien: Lerne, das geheime Netz des Lebens zu durchschauen

Alltagsorientierung und reelle Handlungsmöglichkeiten für die Zielgruppe

In einer Serie von Beiträgen, in denen es um Best-practice-Kriterien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung geht, möchte ich Dir zeigen, wie Du selbst erfolgreich Pro­jekte entwickeln kannst, die diesen Kriterien entsprechen. Im Handbuch „Das Erdschützerprojekt – Pädagogik für eine lebenswerte, friedliche Zukunft“ sind die best-practice-Kriterien auf Seite 63ff ausführlich behandelt und erläutert.

 

Mache Dir das Lebensnetz und Deinen Einfluss darauf bewusst

In dem heutigen Beitrag möchte ich Dir Anregungen geben, um das „geheime Netz des Lebens“ besser zu durchschauen und Dir zeigen, wie Du daraus eigene Handlungsmöglichkeiten ableiten und zu einer persönlichen Herausforderung machen kannst. Hast Du einmal Erfahrungen an Dir selbst gesammelt, kannst Du das Gleiche auch Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen vorschlagen, mit denen Du möglicherweise pädagogisch tätig bist.

Wir Menschen sind mit Pflanzen, Tieren, Menschen über Nahrungsbeziehungen, über Luftbeziehungen, das heißt durch den Atem – also die Luft, die wir teilen – sowie durch das Wasser, das im großen Kreislauf der Erde zirkuliert, miteinander verbunden.

Als Menschen haben wir die Möglichkeit, diese Nahrungs-, Luft- und Wasserbeziehungen mitzugestalten, indem wir es zulassen oder nicht zulassen, dass Gifte, Genmanipulationen, Verunreinigungen in die Kreisläufe von Luft, Wasser und Boden Eingang finden und somit auch Teil des Lebensnetzes werden. Soweit das Lebensnetz unter naturwissenschaftlichem Gesichtspunkt. Es gibt zu diesem Thema bereits zahlreiche Veröffentlichungen von Spielen und Methoden, wie Kindern dieser Aspekt durch das Knüpfen eines Netzes bewusster gemacht werden kann. Indem wir z.B. Produkte aus ökologischem Anbau kaufen, keinen Müll in Bäche, Flüsse, Meere, Wälder etc. einbringen, indem wir Energie aus regenerativen Energiequellen verwenden können wir eine Verunreinigung von Luft, Wasser und Erdboden verringern oder vermeiden.

Der nachfolgende fünfminütige Filmclip Billigware Fleisch: Folgen für die Umwelt zeigt meines Erachtens sehr anschaulich, wie gravierend, schmerzlich und gewalttätig wir Menschen durch das Versprühen von Giften, Sojamonokulturen für Viehfutter, Ausbringen von Mist und Gülle, Massentierhaltung u.v.m. auf unsere Mitmenschen, Tiere und Natur einwirken:

Der Film zeigt nur die Spitze eines Eisberges auf. Er weist darauf hin, wie sehr wir mit unserem Krieg gegen die Natur und Tiere auch sogenannte „Kollateralschäden“, also Krebs bei Menschen, verursachen. Wer konventionelle Lebensmittel kauft, trägt zwangsläufig zu großem Leid und Tod bei Menschen, Tieren und Natur bei.

 

Es geht nicht nur um das ökologische Gleichgewicht, sondern um die QUALITÄT unserer Beziehungen

In unserer Projektarbeit beschäftigen wir uns nicht nur mit den ökologischen Folgen unserer Handlungen, sondern wir gehen noch einen Schritt weiter. Es geht nämlich auch um die Qualität unserer Beziehungen zu unseren Mitmenschen, Tieren, Pflanzen sowie zu unserer gesamten Mitwelt. Hinter dieser Qualität der Beziehungen steckt wiederum die Ethik, die wir vertreten, ob bewusst oder unbewusst.

  • Finden wir es in Ordnung, Teil des „Rechts des Stärkeren“ zu sein, durch unser Konsumverhalten in einer gewalttätigen Beziehung zu unserer Mitwelt zu stehen sowie Leid und Tod bei anderen Lebewesen zu verursachen?
  • Finden wir es in Ordnung, Boden und Wasser durch Glyphosat, Pestizide oder die gewaltigen Mengen von Mist und Gülle zu verseuchen, sodass das Grundwasser auch für nachfolgende Generationen schädlich wird?

Wie die Qualität unserer Beziehungen zu unserer Um- und Mitwelt aussieht, das machen sich die wenigsten bewusst. Wer dieses „geheime Netz“, in dem so viele Dinge verheimlicht, verschleiert und verschwiegen werden, durchschauen will, muss sich aktiv darum bemühren.

 

Bewussteres Leben bedeutet, dass wir uns z.B. mit den folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Wie wünschen wir uns unsere Beziehungen zu allen Mitlebewesen und der Erde?
  • Wie möchten wir diese Beziehungen gestalten?
  • Welche Rechte haben Menschen, Tiere und Natur?
  • Wie stellen wir uns einen achtungs-, respekt- und verantwortungsvollen Umgang mit Menschen, Tieren und Natur, mit unserem Planeten Erde vor?

Diese Fragen haben wir uns bei unserem Workshop zu „Konsum & Lebensstile“ gestellt und uns auf diese Weise auf das Kinderferienprojekt „Das geheime Netz“ vorbereitet. Dabei zeigte sich, dass in den äußeren Aspekten unserer Vision eines lebenswerten Planeten der Zukunft immer auch innere Punkte liegen, also Handlungsmöglichkeiten, wie wir uns selbst im Alltag so verändern können, dass wir nicht mehr nur Teil der Probleme der Erde sind, sondern auch Teil der Lösung.

 

Wie stellen wir uns eine zukünftige, lebenswerte, gerechte Gesellschaft vor?

Bei unserem Workshop zum Thema „Konsum & Lebensstile“ sammelten wir zahlreiche Aspekte eines zukünftigen Konsum- und Lebensstil, die einerseits einen zukünftigen Menschen beschreiben, andererseits den gewünschten Zustand auf unserem Planeten der Zukunft. Wenn Du möchtest, mache – bevor Du weiterliest – Deine eigene Sammlung von Ideen.

Hier einige Ideen, die wir gesammelt haben:

Innere Einstellungen verändern:

  • Vom Ego- zum Gemeinwohlmensch
  • Bewusst leben
  • Achtsam sich selbst und der Mitwelt gegenüber sein
  • Gewaltfreie Beziehungen zu allen Mitlebewesen pflegen / fördern
  • Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz statt Manipulation, Geheimhaltung, Verschleierung
  • Schenken, teilen,
  • Fair und gerecht leben
  • Dankbarkeit und echte Wertschätzung entwickeln
  • Freundschaftliche, achtungs- und respektvolle Beziehungen zu allen Mitlebewesen entwickeln
  • Wiedergutmachung an Natur und Tieren – etwas zurückschenken an Natur und Tiere
Patenschwein Rudi

Nicht nur an uns denken, sondern auch ein Stück weit den Schaden wieder gutmachen, den wir an Natur und Tieren verursacht haben: Unser vor dem Schlachter gerettetes Patenschwein Rudi darf auf einem Lebenshof bis zu seinem natürlichen Tod ein glückliches Leben führen.

 

Gewünschter Zustand – Aspekte der Vision einer friedlichen, gewaltfreien Erde:

  • Wie in der Natur auch gibt es keine Abfälle, es gibt nur Produkte, die vollständig und ohne Schaden für andere wiederverwertet / recycelt werden können
  • Achtungsvoller, schonender Umgang mit Ressourcen
  • Alles, was vergiftet, schädigt oder/und Leid für Tiere und Menschen verursacht, wird unterlassen
  • Die Gaben von Mutter Erde (Rohstoffe, Früchte, etc.) werden fair, gerecht und im Konsens untereinander verteilt
  • Die Würde und das Lebensrecht aller menschlichen und nichtmenschlichen Tiere sind unantastbar
  • Jegliche Diskriminierung wegen Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Religion etc. ist überwunden, auch die Diskriminierung von Tieren. Menschen haben gelernt, Niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Sie sind zu echten Gemeinschaftsmenschen geworden.
  • Jeder Mensch leistet freiwillig seinen Anteil zum Funktionieren des Gemeinwesens
  • Die Grundbedürfnisse aller Lebewesen sind weltweit gedeckt
  • Menschen sehen sich als globale, große Familie von ErdenbürgerInnen und behandeln sich wie FreundInnen
  • Menschen und Tiere sind Freunde – Tiere fliehen nicht mehr vor den Menschen

 

Wie Du Deine eigenen Herausforderungen gestalten kannst

Unter jungen Menschen ist es angesagt, sich selbst „challenges“, also Herausforderungen, zu suchen, um dann manchmal auch wieder darüber auf dem eigenen Blog, in Zeitungsartikeln oder in sozialen Medien zu berichten, z.B.: Plastikfasten (Versuch, eine gewisse Zeit ohne Plastik auszukommen), ein veganer Monat, eine geldfreie Woche…

Wie wäre es, wenn wir einmal eine Herausforderung der besonderen Art ausprobieren, bei der es nicht um das Unterlassen oder Verändern äußerer Handlungen, sondern um die Veränderung der inneren Einstellung geht? Dadurch finden wir eine ganz andere Ebene von Handlungsmöglichkeiten mit konkretem Alltagsbezug:

 

Erfinde und erprobe, wenn Du es möchtest, ganz neue Handlungsmöglichkeiten:

Bewusster, innerer Dank:

Wir haben beim Workshop ausprobiert, uns – bevor wir anfangen zu essen – das Netz des Lebens, also Pflanzen, Tiere, Menschen, Wasser, Erde, Luft, Boden etc. bewusst machen, denen zu danken ist, für das, was auf unseren Tellern liegt. Wir haben versucht, vor unserem inneren Auge das Wachsen und Werden zu sehen und nachzuempfinden. Wir haben versucht, hineinzuspüren, wie es Tieren, Pflanzen, Menschen ging und geht, die daran beteiligt waren, dass wir die ursprünglich von Mutter Erde geschenkten Gaben empfangen dürfen. Anschließend haben wir uns über unsere Gefühle und Empfindungen ausgetauscht.

Wenn Du möchtest, probiere das Gleiche ebenfalls aus oder / und erfinde andere kleine Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten. Wir freuen uns auf Deine Kommentare, Berichte und Erfahrungen.

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