Best-practice-Kriterien: Wie Du Konflikte zu Chancen machst

Alltagsorientierung und reelle Handlungsmöglichkeiten für die Zielgruppe

In einer Serie von Beiträgen, in denen es um Best-practice-Kriterien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung geht, möchte ich Dir zeigen, wie Du selbst erfolgreich Pro­jekte entwickeln kannst, die diesen Kriterien entsprechen. Im Handbuch „Das Erdschützerprojekt – Pädagogik für eine lebenswerte, friedliche Zukunft“ sind die best-practice-Kriterien auf Seite 63ff ausführlich behandelt und erläutert.

 

Lasse das Potenzial der Kinder sichtbar werden

Bei unseren Erdschützerprojekten sind Wissen und Handeln, Theorie und Praxis, Freilernen und Freiwirken, also Alltag und Lernen eng miteinander verwoben. Anders als in der Schule, in der sich Lehrkräfte und SchülerInnen in bestimmten Rollen begegnen, haben wir in unseren Ferienprojekten, den Reisen zum Planeten der Zukunft, den Anspruch, dass wir unsere Vision einer zukünftigen Gesellschaft ein Stück weit lebendig machen und alle Beteiligten sich somit nicht nur in ihren bestimmten Rollen begegnen, sondern so, wie z.B. in einem familiären Alltag. Das bedeutet für uns BegleiterInnen, dass wir Kinder so wahrnehmen, wie sie wirklich sind. Kinder sind zwar während unserer Programmzeiten in einer Teilnehmerrolle, aber während des Restes des Tages können sie frei und kreativ spielen. Viel Potenzial, das in einem Kind schlummert, kommt so zum Vorschein. Lasse das auch zu, indem Du Freiräume einplanst, in denen Kinder ihre Zeit selbst gestalten können und beobachte das:

  • Ein Kind hat z.B. die Gabe, andere zu motivieren und zu begeistern, eine Gruppe zusammen zu schweißen, ein anderes ist eher ein/e Träumer/in und überrascht mit mancherlei besonderen Beobachtungen.
  • Ein Kind ist besonders hilfsbereit, ein anderes ausgesprochen pünktlich und zuverlässig.

 

Lasse Spontanität, Kreativität und Lebensfreude zu – lebe sie auch selbst vor

Mädchen Mehl

Kleine Mehlmaske – Spaß muss sein

Es kann vorkommen, dass Kinder an einem Abhang plötzlich die spontane Idee haben, sich quer zum Hang liegend hinunterrollen zu lassen und die BetreuerInnen auffordern mitzumachen. Es kann sein, dass ein Kind einem Begleiter ganz persönliche Fragen stellt, dass sich eine Kindergruppe einen (netten) Scherz ausdenkt oder dass Kinder während dem Zubereiten des Essens oder dem Abspülen spontan anfangen zu singen: „Ein Tag, so schön, so wunderschön wie heute“. Oder – ums Feuer sitzend – anfangen mit einem Klatschspiel: „Wenn Du glücklich bist, dann klatsch mal in die Hand…“

Es kann auch sein, dass Kinder spontan auf die Idee kommen, dass man sich mit Mehl auch einbalsamieren kann. Vielleicht wollen sie auch plötzlich eine kleine Überraschungsparty organisieren und denken sich dabei irgendwelche pfiffigen, witzigen Aufgaben für die BegleiterInnen aus.

In allen solchen Situationen erleben sich Kinder und BegleiterInnen als Menschen, mit ihren Stärken und Schwächen, ihren besonderen Talenten und Fähigkeiten. Es ist also möglich, dass sich alle Beteiligten so authentisch wie möglich begegnen.

 

Sehe auftauchende Konflikte nicht als Störungen, sondern als Chancen

Situationen, wie die aufgezählten, sind alle schon bei unseren Projekten vorgekommen und kommen immer wieder vor. In den Filmclips auf der DVD „Das Erdschützerprojekt“, vor allem in dem Film Reise zum Planeten der Zukunft, kannst Du einige solcher Situationen sehen. In diesem Film ist auch sichtbar, dass es – wie in jedem Zusammenleben – auch zu größeren oder kleineren Konflikten kommen kann. Ein Beispiel eines solchen Konflikts beschreibe ich am Ende dieses Beitrags.

 

Fördere Lebendigkeit, Transparenz und Begegnungen ohne feste Rollen

Alle diese Situationen, seien es die, in denen sich die Lebendigkeit, die Freude, der Humor, die Fantasie, die besonderen Talente der Beteiligten zeigen, aber auch die Konfliktsituationen, die gemeinsam zu bewältigen sind, sind Situationen, die im schulischen Kontext selten vorkommen. Oder wie war das in Deiner eigenen Schulzeit? Kam es vor, dass Ihr plötzlich angefangen habt zu singen: „Wenn Du glücklich bist, dann klatsch mal in die Hand“ oder „Ein Tag, so wunderschön wie heute?“ Oder ist Deine Lehrerin oder Dein Lehrer mit Euch SchülerInnen einen Abhang hinuntergerollt oder hat sich ein Stück weit „zum Affen“ gemacht, z.B. weil ihr Euch bei Eurer Party irgendeine verrückte Aufgabe für sie / ihn ausgedacht habt?

Wenn es so war, hattest Du bestimmt eine glückliche Schulzeit und man kann Dir dazu gratulieren. Meist wird es aber leider nicht so gewesen sein.

Das muss selbstverständlich nicht heißen, dass Du alles, was die Kinder als Spiel spielen und vorschlagen, mitmachen musst, aber wenn Du Freude daran hast, warum nicht?

Wichtig ist, dass Du Dich nicht verstellst, dass Du nicht alles steuern und im Griff haben willst, sondern auch spontane Ideen und die Lebendigkeit von Kindern zulässt. Das gelingt Dir umso besser, in dem Du Deine eigene Lebendigkeit, Spontaneität, Spielfreude und Kreativität bewahrst und zulässt. Je transparenter und echter Du bist, umso mehr trauen sich auch die Kinder so zu sein.

 

Pädagogische Herausforderung:

Ich freue mich, wenn Du Dich der nachfolgenden, pädagogischen Herausforderung stellst. Wenn Du dafür eine Lösung hast, schreibe sie bitte hier als Kommentar oder – wenn Du das nicht öffentlich machen möchtest – als Email. Auf diese Weise kannst Du selbst, wenn Du es willst, mehr Kompetenzen als LernbegleiterIn entwickeln. Eventuell lade ich Dich in eine geschlossene Erdschützernetzwerkgruppe ein, die für diejenigen Menschen vorbehalten ist, die ernsthaft Interesse daran haben, sich in Bildung zum Schutz der Erde weiterzubilden und in einer Gruppe ähnlich Engagierter auszutauschen.

 

Praxisbeispiel:

Zwei Kinder kamen eines Tages auf die Idee, eine Heuschrecke einzufangen und sie auf ein kleines Holzboot zu setzten, das sie dann auf dem Bach schwimmen ließen. Die Heuschrecke hatte so keine Chance mehr zu überleben und ertrank. Die BetreuerInnen hatten davon nichts mitbekommen, aber andere Kinder. Diese kamen empört angerannt, erzählten es allen anderen Kindern und auch den Betreu­erInnen. Die Kinder forderten nun, dass die zwei Kinder am Ende der Woche keine Auszeichnung als Erdschützer mehr bekommen können, weil dies eine so gravierende Tat gewesen sei, die man als Erdschützer nicht begehen dürfe.

 

Wie würdest Du in einer solchen Situation handeln? Welchen Lösungsvorschlag hast Du, um nicht nur den Konflikt zu lösen, sondern gleichzeitig auch mehr Bewusstsein für die Inhalte Deiner Projektarbeit zu schaffen?

 

Ich freue mich über Deine Fragen, Anregungen, Ideen und Kommentare.

 

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