Best-practice-Kriterium: Alltagsbezug und reelle Handlungsmöglichkeiten

Worauf Du achten solltest, wenn Du selbst erfolgreiche Projekte entwickeln willst

In einer Serie von Beiträgen, in denen es um Best-practice-Kriterien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung geht, möchte ich Dir zeigen, wie Du selbst erfolgreich Pro­jekte entwickeln kannst, die diesen Kriterien entsprechen. Im Handbuch „Das Erdschützerprojekt – Pädagogik für eine lebenswerte, friedliche Zukunft“ sind die best-practice-Kriterien auf Seite 63ff ausführlich behandelt und erläutert.

 

Alltagsorientierung bedeutet, reelle Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen

Im Projekt ANU2000, das von der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung durchgeführt wurde, haben Fachkräfte verschiedene best-practice-Kriterien einer guten Bildung für nachhaltige Entwicklung zusammengetragen. Dort heißt es in dem Dokument „Kriterien & Beispiele“: In beispielhaften Projekten im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung…ist ein Alltagsbezug für die Zielgruppen gegeben und werden reelle Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Bei Bildung zum Schutz der Erde orientieren wir uns unter anderem an diesen best-practice-Kriterien, weil wir auch der Auffassung sind, dass eine Bildung, die dazu anregen will, dass Menschen ihren Konsum & Lebensstil, ihre Ethik und Werte, ihre Sichtweisen und Handlungen reflektieren und ändern, anders gestaltet sein muss als schulisches Lernen es derzeit ist. Wenn es auch Dein Anliegen ist, eine möglichst erfolgreiche Bildung zum Schutz der Erde zu praktizieren und selbst Projekte zu entwickeln sowie umzusetzen, dann empfehle ich Dir, die best-practice-Kriterien auf der Seite des Projekts ANU2000 zu berücksichtigen.

Alltagsbezug und reelle Handlungsmöglichkeiten aufzeigen heißt für uns nicht nur, dass wir mit den Kindern leckere, biovegane Mahlzeiten zubereiten, spannende Einkaufsforschertouren unternehmen, freiwilliges Engagement fördern oder sie anregen, sich auf freiwilliger Basis, wenn sie es wollen, kleine Vorsätze für die Zeit nach dem Projekt vorzunehmen, die sie dann zu hause oder in der Schule umsetzen können.

Einkaufsforschertour-quadratisch

Alltagsorientierung gibt es bei spannenden Einkaufsforschertouren – aber nicht nur dabei

Nutze Konflikte als Chance, Deine Inhalte zu vertiefen

Alltagsorientierung kannst auch dadurch herstellen, dass es Dir gelingt, Konflikte zu nutzen, um die gesamte Gruppe zur Selbstreflexion anzuregen. Wenn Du mit ihr dann konkrete Handlungsmöglichkeiten erarbeitest und dabei den Bezug zu Eurem inhaltlichen Thema knüpfst, können Kinder auf einer tieferen Ebene verstehen, inwiefern sie Teil der Probleme der Erde, aber auch der Lösung sein können. Konflikte bieten also große Chancen, nicht nur um die Konfliktlösung selbst zu erlernen, sondern auch, um in dem Konflikt sowie dessen Lösung Parallelen zum inhaltlichen Thema herauszuarbeiten. Denn Bildung zum Schutz der Erde ist immer Teil einer umfassenden, globalen und sozialen Persönlichkeits- und Wertebildung. Im Handbuch „Das Erdschützerprojekt – Pädagogik für eine lebenswerte, friedliche Zukunft“ habe ich dafür auf S. 77ff einige Beispiele beschrieben. Ein solches Beispiel werde ich Dir am Ende dieses Beitrags präsentieren, um Dir eine pädagogische Herausforderung vorzuschlagen, anhand derer Du Dir überlegen kannst, wie Du eine derartige Situation meistern würdest.

 

Reagiere spontan und situationsorientiert – gib’ Impulse zur Selbstreflexion

Alltagsbezug schaffst Du also z.B. dadurch, dass Du spontan und situationsorientiert Ideen oder gute Beiträge der Kinder aufgreifst oder auf auftauchende Konflikte eingehst, um dabei gemeinsam mit ihnen die Ziele der Erdschützerausbildung sowie die dahinter stehende Vision zu reflektieren. Denn so kannst Du einen Bewusstseinbildungsprozess anstoßen.

 

Verstärke Positives und fördere so eine Wohlfühlatmosphäre

Du kannst auf diese Weise eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Wohlfühlatmosphäre fördern, indem du Positives verstärkst. Allein das ist schon eine reelle Handlungsmöglichkeit. Wenn Du es schaffst, gemeinsam mit den Kindern das Positive in allen Situationen herauszuarbeiten und zu würdigen, dann ist das großartig und wird zu einer sehr positiven Stimmung beitragen. Das kannst Du spontan tun oder z.B. im Rahmen eines Kinderrats, einer Besprechung, bei der die Kinder das Wort haben und ihre Anliegen, Wünsche, Vorschläge sowie Kritik einbringen können.

 

Schaffe ein offenes, vertrauensvolles Klima, in dem jedeR sich traut, auch Kritik zu äußern

Wenn wir erreichen wollen, dass Kinder sich trauen, alles, was sie bewegt – auch Kritik – zu äußern, ist es wichtig, dass wir ein offenes, vertrauensvolles Klima schaffen und es auch innerhalb des BegleiterInnenteams vorleben. Wann immer ein Kind einen Beitrag, einen Vorschlag, eine Idee einbringt – Deine Reaktion ist entscheidend. Wenn Du alles wertschätzt und Dich ernsthaft bemühst, auf die Vorschläge von Kindern einzugehen, dann werden sie es Dir danken, indem sie es auch spontan sagen, wenn ihnen etwas missfällt. Es kann sein, dass Du dies nicht immer schaffst, weil manches Kind möglicherweise so geprägt ist, dass seine Antworten von Erwachsenen bewertet werden und es daher eher nichts sagt, um sich nicht zu blamieren. Doch wenn Kinder merken, dass Du auf sie eingehst, sie ernst nimmst, ihre Vorschläge aufgreifst, dann werden sie sich immer weiter öffnen. Wenn sie merken, dass Du auch Kritik gut annehmen kannst und willkommen heißt, dann werden sie zu echten Helfern.

 

Sei selbstkritisch und bereit, auch von den Kindern zu lernen

In einer Erdschützergruppe habe ich mit den Kindern einmal das Spiel „Blinde Karawane“ gespielt und ließ alle Kinder nacheinander einmal mit offenen Augen an der Spitze gehen, um alle anderen zu führen. Einem sechsjährigen Kind, das ausnahmsweise an diesem Nachmittag dabei war, traute ich diese Aufgabe aber nicht zu. Später kritisierten mich die Kinder dafür. Ich bedankte mich für ihre Offenheit, erklärte meine Befürchtungen, die mich dazu bewogen hatten und versprach, es in Zukunft anders zu machen und dies die Gruppe entscheiden zu lassen, nachdem ich meine Befürchtungen transparent gemacht habe.

Geheimer Pfad

Blinde Karawane – wir nennen das „Geheimer Pfad“ – ist eine naturpädagogische Methode

 

Wenn Du Kritikfähigkeit förderst, förderst Du auch Verantwortungsbewusstsein

Wer Kritik äußert, ja, wer sich überhaupt mit Vorschlägen und Ideen einbringt, übernimmt Verantwortung in einer Gruppe. Und genau eine solche vermehrte Verantwortungsübernahme ist ja unser Ziel. Wir wollen ja erreichen, dass Kinder generell aus der Rolle der Teilnehmenden in eine Rolle der Aktiven, die gerne und freiwillig Verantwortung übernehmen wollen, hineinwachsen.

In unserem Schulsystem ist dies wesentlich schwieriger zu erreichen. Bei unseren Kinderprojekten haben Kinder die Möglichkeit, am Ende eines Projekts alle Aktivitäten sowie das Essen mit Schulnoten zu bewerten, damit wir daraus lernen können. Sie erhalten dazu aber keine anonymen Fragebögen, was unserer Ansicht nach auch nicht erforderlich ist, weil wir im gesamten Projekt einen sehr partnerschaftlichen, offenen Umgang pflegen und die Kinder uns durchaus auch schlechte Noten geben, wenn sie es so empfinden. Sie sind allerdings auch nicht abhängig von uns, von unserer Benotung, weil es die nicht gibt. Sie können frei entscheiden, ob sie sich erneut zu einem Ferienprojekt anmelden wollen.

In der Schule ist das allerdings anders. Wer würde es da wagen, einer Lehrkraft offen zu sagen, dass z.B. eine bestimmte Unterrichtsstunde miserabel und langweilig war oder dass die Stimmung schlecht war oder dass man sich übergangen fühlte? Jedes Kind muss ja damit rechnen, dass die Lehrkraft die eigene Offenheit bei nächster Gelegenheit mit einer schlechten Note quittiert, von der Versetzung sowie weitere Chancen für den eigenen Lernweg abhängen.

 

Pädagogische Herausforderung:

Ich freue mich, wenn Du Dich der nachfolgenden, pädagogischen Herausforderung stellst. Wenn Du dafür eine Lösung hast, schreibe sie bitte hier als Kommentar oder – wenn Du das nicht öffentlich machen möchtest – als Email. Auf diese Weise kannst Du selbst, wenn Du es willst, mehr Kompetenzen als LernbegleiterIn entwickeln. Eventuell lade ich Dich in eine geschlossene Erdschützernetzwerkgruppe ein, die für diejenigen Menschen vorbehalten ist, die ernsthaft Interesse daran haben, sich in Bildung zum Schutz der Erde weiterzubilden und in einer Gruppe ähnlich Engagierter auszutauschen.

 

Praxisbeispiel:

In einer Projektwoche machte sich ein Junge, nennen wir ihn Samson, aufgrund mancher Besonderheiten und unsozialer Verhaltensweisen bei den Kindern der Gruppe ziemlich unbeliebt. Unter anderem drängte er sich beim Essen vor und nahm sich von den bei allen besonders beliebten Lebensmitteln so viel, dass nicht mehr für alle etwas übrig blieb. Mehrere Kinder der Gruppe beschwerten sich darüber.

 

Wie würdest Du in einer solchen Situation handeln? Welchen Lösungsvorschlag hast Du, um nicht nur den Konflikt zu lösen, sondern gleichzeitig auch mehr Bewusstsein für die Inhalte Deiner Projektarbeit (z.B. Thema „Globale Gerechtigkeit“) zu schaffen?

Ich freue mich über Deine Fragen, Anregungen, Ideen und Kommentare.

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Kommentare: 1

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Kommentar ( 1 )

  • Hallo Ihr fleißigen Mitstreiter
    Also ich würde Samson mit einer Gruppe Kinder in die Küchengruppe einteilen.Er kann hier durch Zusammenarbeit/Vorbereitung der Speisen,etwas über diese erfahren.Woher sie kommen,was braucht der Mensch an Nährstoffen jeden Tag,Wie sieht es in anderen Ländern aus(haben alle Kinder dort wo die Lebensmittel herkommen ,auch so viel Nahrung zu verfügung).Der gute alte Schulgarten fällt mir ein.Viele fleißige Hände braucht es,damit etwas wächst und geerntet werden kann!Alle freuen sich und man teilt.Vielleicht verschenkt man es an Einrichtungen,oder bedürftige Rentner.Oder wie währe es Ein Schulgarten mit Imikrationskindern..Man lernt sehr viel voneinander!!!!
    Es ist toll was Ihr macht!
    Vielleicht macht Ihr das ja alles schon und ich weis es nur noch nicht!
    Viel Spaß
    Es ist schön ,das es viele Menschen gibt,die die Schöpfung bewahren helfen.
    Ihr fangt am „richtigen Ende“ an!
    Viele liebe Grüsse
    Kirsten

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