Bist du eine Pionierin, ein Pionier des Wandels – mach den Selbsttest!

 

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“

 

Dieses Zitat von Gandhi ist vielen bekannt. Wenn wir es auf uns selbst anwenden, dann werden wir zu Pionier/innen des Wandels, die nicht nur beständig an sich selbst arbeiten, sich selbst reflektieren und verändern, sondern wir werden aus diesem individuellen Wandel auch die Kraft und Motivation schöpfen, Neues, bessere Alternativen zu dem Bestehenden, zu entwerfen und in die Welt zu bringen. Wer zu einem Bewusstseinswandel auf der Erde beitragen will, wer mithelfen will, unser Bildungssystem zu verändern, sollte den „inneren Motor“ auf Hochtouren bringen, um kreative, neue Ideen, Lösungsmöglichkeiten für angeblich nicht Veränderbares zu entwickeln. Die Welt braucht neue Projekt- und (Sozial-)unternehmensideen, sie braucht Pionierinnen und Pioniere des Wandels. Gehörst du dazu? Willst du dazu gehören? Dann mach den Selbsttest:

 

1. Hast du eine Vision für eine zukünftige, lebenswerte Gesellschaft?

Wie stellst du dir deine Zukunft, wie stellst du dir die Zukunft unseres Planeten Erde vor? Hast du dir das einmal schriftlich notiert? Wenn du dich mit dieser Frage immer und immer wieder befasst und aufschreibst, was deine Vision ist, dann bekommt sie immer mehr Kraft. Noch mehr Kraft bekommt sie dadurch, dass du dir Gedanken darüber machst, warum die Welt nicht deinem Ideal ent­spricht. Worin liegen die inneren Gründe, die charakterlichen Fehlhaltun­gen, die zwischen deinem Ideal und der Realität stehen? Wenn du dir das immense Leid, die Ungerechtigkeiten, die Grausamkeiten auf dieser Erde anschaust, könntest du leicht verzweifeln. In solchen Situationen kannst du dich am Positiven, an deiner Vision, deinem Idealbild einer besseren Welt festhalten, wenn du dich gleichzeitig fragst: Wo und inwiefern bin ich selbst noch Teil des Leids, der Ungerechtigkeiten, der Grausamkeiten auf dieser Welt? Wo bin ich möglicherweise einfach zu bequem, zu gleichgültig, zu träge, um das konkret anzupacken und umzusetzen, was ich – mit meinen Talenten, Fähigkeiten und Möglichkeiten – zum Guten beitragen könnte? Ein Beispiel: Manche Menschen reden von einer geldfreien Gesellschaft, in der es keinen Tausch, keinen Kauf und Verkauf mehr gibt. Vielleicht ist es auch deine Vision? Wenn ja, könnten wir uns fragen:

    • lebst du gerecht oder übervorteilst du den einen oder anderen?
    • bevorzugst du den einen Menschen, benachteiligst aber den Anderen?
    • bist du dir selbst treu? Wenn du dir etwas vornimmst, ist dies dann für dich gleichsam ein Versprechen an dich selbst, das du unbedingt einhältst? Oder baust du dir selbst Luftschlösser einer schönen, besseren Welt, packst aber die Dinge, die du dafür tun könntest, um die nächsten Schritte der Veränderung zu tun, nicht an?
    • Wenn du Anderen bestimmte Dinge versprichst, hältst du sie dann ein – und, falls du es nicht schaffst, hältst du Rücksprache?

Das sind nur ein paar Beispiele, anhand derer wir uns prüfen können, ob wir selbst wirklich bereit wären für eine geldfreie Gesellschaft, in der kein Zwang zum Verkauf der eigenen Arbeitskraft mehr nötig wäre. Wenn du die kleinen Schritte, die du hin zu deiner Vision tun kannst, tagtäglich erkennst und sie tust, dann gewinnst du daraus Freude, Kraft und immer mehr Energie. Deine Vision wird in dir immer lebendiger. Sie wird für dich zum Zielbild, das dich wie ein Magnet anzieht und dich tagtäglich begeistert. Deine Mitmenschen werden deine Lebendigkeit, deine Begeisterung, deine ständige Veränderung, deine Freude und deine unbändige Energie spüren. Du kannst sie damit vielleicht sogar anstecken. So wird auch deine Vision tagtäglich lebendiger.


2.
Freiwilligkeit

Wir sind es von klein auf gewohnt, dass uns Andere bestimmte Vorgaben machen – seien es Lehrkräfte, Uniprofessoren, Arbeitgeber usw. Ob wir das, was wir tagtäglich tun, auch dann tun würden, wenn es absolut freiwillig wäre? Halte doch einfach mal einen Rückblick auf deine letzte Woche: Wenn du keine Prüfungen bestehe, keinen Bachelor- oder Matertitel bräuchtest, um deinen Wunschberuf zu ergreifen, wenn dein Lebensunterhalt – z.B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen – vollständig gesichert wäre, würdest du dann deine jetzige Tätigkeit dennoch ausüben? Wenn ja, würdest du sie genau so ausüben?

Die meisten Menschen machen sich über diesen Freiwilligkeitsaspekt überhaupt keine Gedanken. So, wie wir es von klein auf gewohnt sind, steht dann für Schüler/innen nun mal etwas anderes auf dem Programm: Umweltbildung. Du führst ein Umweltbildungsangebot an einer Schule durch. Klar, meist freuen sich die Schüler/innen darüber, dass es mal etwas Abwechslung gibt und machen meistens gerne mit.
Bei allen Bildungsangeboten, die das Ziel haben, Menschen zur Reflexion ihres Kon­sum-, Lebens- und Ernährungsstils anzuregen, sollte uns jedoch bewusst sein, dass jegliche persönliche Veränderung, die ein Mensch nicht aus eigennützigen Motiven (z.B. „ich spare Energie oder Wasser in meinem Haushalt, weil ich dadurch auch weniger Kosten habe“), sondern aus selbstlosen oder zumindest selbstloseren Motiven (z.B. „ich ernähre mich biovegan, um das Leid bei Tieren, Mitmenschen und der Natur zu verringern“) vornimmt, bereits der erste Schritt eines freiwilligen Engagements ist – eines freiwilligen Engagements für den Schutz der Erde. Freiwilliges Engagement können wir wiederum dann am besten fördern, wenn die Beteiligten frei entscheiden können, ob sie unser Angebot freiwillig wahrnehmen wollen – oder auch nicht. Die­se freie Wahl haben SchülerInnen in der Regel nicht.

Mehr Wertschätzung

Abfallprojekt – als Schulprojekt auf freiwilliger Basis umgesetzt. Die Kinder konnten sich frei entscheiden, ob sie an dem Projekt teilnehmen wollten.

Wenn dir dies bewusst ist, wirst du dafür kämpfen, kreative Wegen und Lösungen zu suchen, um neue Wege zu be­schreiten und neue Einrichtungen zu gründen, um freiwillige Angebote zu schaffen. Denn wer ein mitweltpädagogisches Angebot freiwillig wählt, das leuchtet sofort ein, hat auch wesentlich mehr Motivation zur Beteiligung und fühlt sich selbst mehr respektiert, als wenn Menschen einfach ein Bildungs­angebot, sei es auch noch so gut gemeint, vorgesetzt wird.

Wenn deine Vision also möglicherweise eine Welt ist, in der nicht auf Zwang und Angst, sondern auf Vertrauen und den Glauben an das Gute in jedem Menschen gesetzt wird, dann könntest du dir tagtäglich – spätestens bei deinem Wochenrückblick – die Fragen stellen:

  • Wie würde ich handeln, wenn ich alles, was ich tue, völlig freiwillig tun würde?
  • Wie kann ich dazu beitragen, dass – selbst in Schulen – in denen Kinder – aufgrund der Schulpflicht – gezwungenermaßen bestimmte Dinge tun und lernen müssen, der Freiwilligkeitsaspekt gestärkt wird.

Auf unserer Facebookseite findest du einige Beispiele, wie wir uns – mit viel Kreativität und Engagement – genau darum kümmern.

 

3. Mitbeteiligung & Partizipation

Du wünscht dir vielleicht in deiner Vision eine Welt, in der es direkte Demokratie gibt,  in der du ernst genommen wirst, in der du echte Mitwirkungsmöglichkeiten hast, in der die Menschen sich respektvoll, auf Augenhöhe und partnerschaftlich begeg­nen? Du wünschst dir eine Gesellschaft, in der Menschen von klein auf einen derartigen Umgang erlernen und einüben?

Dann wirst du dich vielleicht auf die Suche machen, wo du eine derartig gelebte, echte Mitbeteiligung vorfindest, um davon zu lernen. Die Möglichkeiten von Mitbeteiligung und Partizipation sind in der Schule äußerst gering. SchülerInnen staatlicher Schulen haben nicht die Möglichkeit, bei der Einstel­lung von Lehr­kräften mitzuentscheiden, wie dies z.B. an freien demokratischen Schu­len der Fall ist. Sie erhalten auch nicht die Möglichkeit, sich im Rahmen der Schulzeit aus Wahlange­boten das auszuwählen, was sie wirklich interessiert. Möglichkeiten zur Mitbestim­mung sind auch in allen Lehrveranstaltungen gering, in denen mehr oder weniger fron­tal unterrichtet oder „sogenannter Stoff vermittelt“ wird.  Partizipation bleibt dann auf der Strecke. Freiwil­lige AGs, Projekttage, Schülerfirmen, selbst organisierte Projekte von SchülerInnen können Schritte hin zu mehr Partizipation und Verant­wortungsübernahme sein.

Wenn du also deine Vision einer wirklich demokratischen Welt verwirklichen willst, dann kannst du dich einerseits darin üben, partizipative und kreative Methoden einzusetzen, um bei allen Be­teiligten Selbstreflexion, eigenes Nachdenken, kritisches Hinterfragen, das Ent­wickeln eigener (kreativer) Ideen sowie Austausch und Diskussionen auf Augen­höhe zu fördern. Andererseits kannst du noch einige Schritte weiter denken.

Vielleicht hast du schon einmal das Sprichwort von Konfuzius gehört:

Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.“

Leider sind die Möglichkeiten für junge Menschen, in der Schule oder an der Uni­versität Projekte des Wandels umzusetzen gering. Sie müssten dies außerhalb dieser Rahmenbedingungen tun. Manche, die eine sehr hohe Motivation haben, wie z.B. Felix Finkbeiner, tun dies auch. Als neunjährigen Schüler hat er 2007 die Initiative Plant-for-the-Planet ins Leben gerufen. Daraus wurde eine weltweite Bewegung, die mittlerweise (Stand: 2015) mehr als 14 Milliarden Bäume gepflanzt hat.

Wenn du jungen Menschen Mut machen willst, ihr Potential auszuschöpfen und ihre eigenen Ideen umzusetzen, um die Welt ein wenig besser zu machen, dann kannst du dich selbst zu einem guten Vorbild entwickeln und deine Schritte tun, um etwas Neues in die Welt zu bringen, was diese zum Guten verändert. Dann wird es dir auch leicht fallen, andere mit deiner Begeisterung anzustecken.

Ein gutes Vorbild in diesem Sinne ist dei 12jährige Severn Cullis-Suzuki:

Ein weiterer Schritt, um echte Begegnungen auf Augenhöhe zu fördern und echte Mitbeteiligung zu fördern, wird darin liegen, Umgangs­for­men, Hierarchien etc. infrage zu stellen, die uns so normal erscheinen, dass wir meist nicht mehr darüber nachdenken:

  • Warum duzen Lehrkräfte Kinder eigentlich, umgekehrt sollen diese die Lehrkräfte siezen? Wel­ches Menschenbild steckt hinter dieser Umgangsform?
  • Warum sollen Kinder erst ab dem 18. Lebensjahr wählen können? Es gibt verschiedene Initiativen für ein „Wahlrechtsalter Null“, die dafür eintreten, dass Kinder ihr Wahlrecht wahrneh­men dürfen, sobald sie dies wollen und in der Lage dazu sind. Severn Cullis-Suzuki hielt 1992 auf dem Erdgipfel in Rio eine großartige Rede – und bekam als einzige stehende Ovationen der Konferenz. Der neunjährige Felix Finkbeiner, wie oben beschrieben, gründete die Initiative „plant fort the planet“. Wie kann es sein, dass Kinder einerseits ein so großartiges Potential haben, andererseits aber nicht wählen dürfen?
  • Warum haben Kinder in Deutschland nicht das Recht auf freie / freiwillige Bil­dung, sondern unterliegen der Schulpflicht?

An und für sich sind sich ExpertInnen einig darüber, „dass das Gleichstellungsprinzip berücksichtigt werden soll, was heißt, dass darauf geachtet werden soll, dass sich alle Beteiligten auf gleicher Augenhöhe anerkennen. Das gilt für die Beziehung zwi­schen Ler­nen­den und Lehrenden, zwischen den Geschlechtern und gegenüber Ak­teu­ren des Südens.“ (Qualitätskriterien einer entwicklungspolitischen Bildungs­arbeit)

Wenn wir also das Gleichstellungsprinzip bejahen, werden wir Vieles auf den Prüf­stand stellen, was uns bisher als normal erschien.

Wenn du dir alle diese Dinge bewusst gemacht hast, dir Zeit zur Selbstreflexion und zu Auseinandersetzung mit deiner Vision einer friedlichen, gewaltfreien Erde genommen hast, dann wirst du im nächsten Schritt auch kreative Ideen entwickeln, wie du deine Vision heute schon ein Stück weit sichtbar machen kannst.

 

Was fällt dir dazu ein? Welche Ideen hast du dafür?

Auch wenn es nur eine kleine Projektidee ist, packe sie jetzt an und plane die nächsten Schritte, um sie umzusetzen.

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Bildquellenangabe / Beitragsbild:

  • Raupe: Pilsterl  / pixelio.de
  • Schmetterlingspuppe: Essenia Deva  / pixelio.de
  • Schmetterling / Tagpfauenauge:  Kurt F. Domnik  / pixelio.d

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