Bist Du eine Querdenkerin, ein Querdenker? Umweltbildung neu denken!

  • Du interessierst Dich dafür, Umweltbildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung zu praktizieren?
  • Du hast möglicherweise noch eine größere Vision und möchtest gar Mitweltbildung bzw. Bildung zum Schutz der Erde umsetzen?
  • Du möchtest gerne zu einem Bewusstseinswandel auf dieser Erde beitragen?

Großartig! Doch welcher Ausbildungsweg führt Dich am besten zu diesem Ziel? Diese Frage stellen sich viele Menschen, die gerne ein Teil des pädagogischen Wandels werden wollen. Wenn wir später nicht einfach nur irgendeinen Job ergattern, sondern eine Aufgabe übernehmen wollen, die uns wirklich erfüllt, die wir nicht nur als Beruf, sondern als innere Berufung empfinden und wenn unser pädagogisches Wirken möglichst erfolgreich sein soll, dann stellt sich die Frage:

Was ist die eigentliche Ursache unserer Misere auf der Erde?

  •  Unser Ego?
  • Unser mangelndes Mitgefühl?
  • Unser kurzsichtiges, ichbezogenes Denken und Handeln?

Schauen wir uns an, was das Konzept der Gestaltungskompetenz von de Haan[1] als Lösungsmöglichkeit anbietet:

„Mit Gestaltungskompetenz wird das nach vorne weisende Vermögen bezeichnet, die Zukunft von Gemeinschaften, in denen man lebt, in aktiver Teilhabe im Sinne nachhaltiger Entwicklung modifizieren und modellieren zu können.“

Das Bildungskonzept der Gestaltungskompetenz umfasst verschiedene Teilkompetenzen. In diesem Artikel nehmen wir die nachfolgende Teilkompetenz unter die Lupe:

 

Vorausschauendes Denken:
  • Umgang mit Zukunftsszenarien und Entwürfen:
    • mit Unsicherheit umgehen können;
  • Chancen und Risiken von aktuellen und künftigen Entwicklungen einschätzen können;
  • Kreativität, Phantasie, Imaginationsvermögen;
  • Phänomene in ihrem weltweiten Kontext erfassen können;
  • Neu-Denken, Quer-Denken, Denken in Alternativen.

Ein kreativer Prozess ist also gefragt, bei dem es darum geht, insbesondere Querdenken zu lernen, das Bestehende in Frage zu stellen und neu zu denken. Es nützt also nichts, wenn wir „neuen Wein in alte Schläuche gießen“ und das bisher bestehende Schulsystem, Ausbildungssystem, Studiensystem nicht grundlegend in dem Sinne verändern, dass es tatsächlich Gestaltungskompetenz im bestmöglichen Umfang ermöglicht.

 

Fragen wir uns also:

Wirst Du in der Schule oder an einer Universität tatsächlich zum Querdenken ausgebildet?

Was heißt Querdenken?

Das möchte ich an folgendem Beispiel erörtern: Bei der nachfolgenden Denksportaufgabe geht es darum, aus zwei gleichseitigen Dreiecken vier gleichseitige Dreiecke zu legen, indem Du drei Streichhölzer umlegst.

 

2 Dreiecke

Für die Lösung, bitte hier klicken.

Wie Du siehst, scheint es für dieses Problem keine Lösung zu geben. Du wirst sie tatsächlich auch nicht finden, es sei denn, Du beginnst, in einer neuen Dimension zu denken – dadurch dass du quer denkst. Genau nach diesem Muster solltest Du Dir auch die Veränderung in der Pädagogik, die wir für einen Bewusstseinswandel auf der Erde brauchen, vorstellen. Es geht also darum, dass wir uns davon verabschieden zu meinen, dass man Menschen nur das richtige Wissen geben sollte und dann werden sie auch ihren Konsum- und Lebensstil, ihr Verhalten, ihr Denken und Fühlen entsprechend verändern. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass dem nicht so ist. Denn es gibt eine große Diskrepanz zwischen (Umwelt-)wissen und (Umwelt-)handeln.

Trotzdem geht man an Hochschulen, an denen Bildung für nachhaltige Entwicklung oder Umweltbildung gelehrt wird, so vor, dass diejenigen, die bisher z.B. biologisches Wissen oder anderes Wissen „vermittelt“ haben, nun einen Studiengang Bildung für nachhaltige Entwicklung zusammengestellt haben, im Rahmen dessen die bestehende Bildungsstruktur „Hochschule“ sowie das gegenwärtige staatliche Schulsystem mit seinem Schulzwang, seiner gesamten Hierarchie sowie Bürokratie nicht hinterfragt wird und unverändert bleibt.

Im Masterstudiengang Biodiversität und Umweltbildung der PH Karlsruhe heißt es z.B.:

Der Schutz und Erhalt biologischer Vielfalt wird weltweit als eine der dringendsten Umweltaufgaben angesehen. Hierzu sind mehr denn je organismische Kenntnisse gefragt. (…) Wesentliches Ziel des Studiums ist die Befähigung zur selbstständigen Forschung sowie der Aufbau forschungsorientierten Praxis- und Professionalisierungswissens in den Bereichen Biodiversität und Umweltbildung. (…) Daher vermittelt der Masterstudiengang Kenntnisse zur biologischen Vielfalt und zur Umweltbildung/BNE.

  • Ist es tatsächlich das, was der Menschheit zum Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt am dringendsten fehlt: organismische Kenntnisse?
  • Kann man Kenntnisse, kann man Wissen überhaupt „vermitteln“?

 

Wissen ist nicht vermittelbar

Ob man Wissen überhaupt „vermitteln“ kann, ist in Fachkreisen sehr umstritten. Prof. Dr. Erpenbeck, einer der Kritiker, meint[2], dass sich in unserem Schulsystem und an Universitäten

„eine Form von Wissensvermittlung ausgebildet hat, die mit dem realen Leben nichts zu tun hat. Denn mit Informationen allein können Sie nichts anfangen. Sie müssen immer auch lernen, dieses Informationswissen anzuwenden. Aber auch die Idee der Wissensvermittlung selbst ist schlicht falsch. Es ist ein Mythos, dass man Wissen vermitteln kann. Das kann man nicht. Man kann nur Wissen beim anderen aufbauen – das hat der Konstruktivismus meiner Ansicht nach inzwischen unwiderleglich gezeigt – dass man nur Ermöglichungsbedingungen für die Wissensaufnahme schaffen kann. Und das Wissen, das ich auf diese Weise aufbauen kann, ist deutlich geteilt in informationsbasiertes Wissen und handlungsbasiertes Wissen, in dem ich Bewertungen, Werte, Regeln und Normen zu eigenen Emotionen interiorisiere, also verinnerliche.

Es wäre also wichtig, dass Studierende, die „Umweltbildung“, was immer man darunter versteht (siehe: Umweltbildung – was ist das eigentlich? sowie Was ist der Unterschied zwischen „Umweltbildung“ und „Mitweltbildung“?), praktizieren wollen, lernen, den heimlichen Lehrplan, der ihre schulische Sozialisation prägte, zu hinterfragen und in praktischer Forschung / Projektarbeit partizipativ, das heißt unter Einbeziehung aller Beteiligten (Eltern, Lehrkräfte, SchülerInnen, Schulamt,…) Schule so zu verändern, dass sie zu einem Ort wird, an dem sich alle Beteiligten wohl fühlen und gerne, aus eigenem Antrieb lernen – und vor allem: Querdenken. Das heißt: die Zukunft der Schule neu denken! Wenn Du mehr über den heimlichen Lehrplan wissen willst, lies hier weiter.

Im vorherrschenden schulischen und großteils auch im universitären System verinnerlichen wir, dass es „normal“ ist, dass andere für uns vordenken, dass sie entscheiden und bestimmen, welche Informationen uns eingetrichtert werden sollen, damit wir im „realen Leben“ später bestehen. Zwar gibt es noch gewisse Freiräume, die Menschen nutzen können, um ihre eigenen Lernwege zu suchen und zu finden, um Schritt für Schritt immer mehr zu FreidenkerInnen und Freidenkern zu werden. Doch diese Wege finden und beschreiten bisher nur Wenige: QuerdenkerInnen.

Wir haben eine solche quer gedachte Nische kreativ ausgedacht: Unser

Soziales Experiment – Selbstlernstudium in Mitweltpädagogik / Bildung zum Schutz der Erde

Es handelt sich um eine Bildungsnische

  • ohne den Zeitdruck und die Verschulung durch die Bolognareform,
  • die ein eigenes Lerntempo,
  • das Verbinden von Theorie und Praxis ermöglicht und
  • bei der das bisherige Studium an einer Präsenzuni angerechnet werden kann.

Ein Modellprojekt, das auch andere Freilernende nachmachen können, z.B. indem sie ein Freilerner- und Freidenkerteam bilden und so bereits während des Studiums Theorie und Praxis miteinander verbinden, um sofort damit zu beginnen, zu dem Wandel zu werden, den sie sich auf der Erde wünschen.

 

Berufsaussichten mit Abschlüssen in Umweltbildung / BNE

Als nächstes sollten wir auch fragen: Trifft es wirklich zu, dass Studierende von Fachrichtungen in Umweltbildung / BNE später auch die besten Chancen haben, eine Anstellung in Umweltbildungseinrichtungen oder Naturschutzzentren zu ergattern? Wo werden sie ansonsten gebraucht?

Es gibt derzeit noch keine gesicherten Zahlen darüber. Doch aus Berichten zahlreicher AbsolventInnen sowie der Erfahrungen der Organisation Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) wissen wir, dass AbsolventInnen sehr geringe Chancen haben, eine solche Anstellung auf Anhieb – ohne weitere Zusatzqualifikationen und Praktika – nach dem Studium zu erhalten. Wenn derartige Stellen ausgeschrieben sind, dann bewerben sich darauf hunderte von BewerberInnen. So ist zu fragen, ob die Erwartungen, die solche Studiengänge schüren, wirklich einlösbar sind. An der PH Weingarten denkt man z.B.[3]:

Denkbar wäre auch, dass die Absolventen in der Nachmittagsbetreuung an Ganztagesschulen tätig werden.“( Prof. Dr. Ewig)

  • Weiß man an der Hochschule wirklich, wie Nachmittagsbetreuung an Schulen tatsächlich aussieht?
  • Kennt man die Strukturen?
  • Gibt es irgendeine/n Praktiker/in, der oder die Erfahrung damit hat, in der Nachmittagsbetreuung von Ganztagesschulen Umweltbildung zu etablieren?

Unserer Erfahrung nach sind die Zeitfenster dort derartig eng, um dort in sinnvoller Weise ein Bildungsangebot der Umweltbildung einzubringen. Gefragt wäre also wieder:

Querdenken-Perspektive wechseln

Querdenken!

Praktische, kreative, verändernde Praxis mit allen Beteiligten an einer Schule wäre die Voraussetzung, um innerhalb der bestehenden Strukturen Freiräume zu erkämpfen. Dabei könnten alle Beteiligten, vor allem aber die Studierenden lernen, was Querdenken in der Praxis bedeutet, wie kreative Veränderungsprozesse funktionieren. Oder sie könnten neue Angebote entwickeln, z.B. Orte des freien Lernens und Wirkens, z.B. abenteuerliche Utopiespielplätze am Waldrand einer Stadt, wo Kinder frei hinkommen, forschen, lernen, reflektieren, Natur erleben und sich in ihrer gesamten Persönlichkeit weiterentwickeln können. Wenn Universitäten gemeinsam mit ihren Studierenden eine derartige Handlungsforschung, d.h. praktische Modellprojektarbeit, betreiben würden, dann könnten dabei alle Beteiligten sehr viel Gestaltungskompetenz erwerben.

 

Was bedeutet „Querdenken“ für Dich? Welche Erfahrungen hast Du? Wir sind gespannt auf Deine Kommentare!

_____

[1] Gerhard de Haan/ Dorothee Harenberg: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Gutachten zum Programm. Materialien zur Bildungsplanung und Forschungsförderung, Heft 72. Hrsg.: BLK für Bildungsplanung und Forschungsförderung, 1999

[2] Siehe: http://www.kompetenzlabor.de/wissen-ist-nicht-vermittelbar/

[3] Siehe: https://inspirationtransition.wordpress.com/2014/07/01/umweltbildung-neuer-studiengang-in-deutschland/

Teile diesen Beitrag:


Kommentare: 0

Das könnte Dich auch interessieren

Keine Kommentare

Kommentare

To Top