Frei und selbstbestimmt lernen, wirken und leben im Experiment Selbstlernstudium

Acht Monate lang durften wir Erfahrungen in der Umsetzung eines außergewöhnli­chen Modellprojekts – dem Experiment Selbstlernstudium in Bildung zum Schutz der Erde / Mitweltbildung – sammeln. Sehr vieles, was wir uns vorgenommen haben, hat funktioniert, einiges, was wir als gemeinsame Utopie empfunden haben, haben wir ein Stück weit gelebt und erprobt. Die erste Selbstlernende, Christina, die sich seit Oktober 2015 auf das Experiment Selbstlern­studium einge­las­sen hat, schafft innerhalb von acht Monaten den Quereinstieg in Bildung für nachhaltige Ent­wicklung sowie den Sprung in die nebenberufliche Selbständig­keit.

Zur schnellen Information: Was ist das Experiment Selbstlernstudium?

Quereinstieg als MultiplikatorIn von BNE ist möglich

Sie hat bereits mehrere bezahlte Aufträge als Mitweltpädagogin und Multiplika­torin von Bildung für nachhaltige Entwicklung / Globales Lernen erfolgreich umgesetzt:

  • Workshop „Wie möchte ich leben und lernen?“ beim IPU-Kongress 2015 in Berlin
  • Interkulturelle Projekttage an einem Gymnasium mit SchülerInnen der 9. Klasse
  • WorkcampleiterInnen-Seminar beim ijgd
  • Projekt „Ohne Dich kein ich“ bei der BUNDjugend NRW.

Sie hat dafür bereits eine nebenberufliche Selbständigkeit gegründet.

Erdschützergruppe

Darüber hinaus leitete sie eigenverantwortlich mehrere Projekte und bezog Freiwilli­ge dabei ein:

  • Mehrere AG- und Kindergruppennachmittage zu verschiedenen Themen (Abfall, Ernährung & Klimaschutz, Handy, Global denken – lokal handeln)
  • Mehrere Workshops zum Thema „Klimaschutz & Ernährung“ mit Kindern von 6-12 Jahren bei der AWO-Ferienbetreuung.
  • Coaching von Jugendlichen bei einem Projekt zu Flucht & Asyl

Sie wirkte bei der Auswahl, Einarbeitung und Begleitung neuer PraktikantInnen und Mitarbeitenden ein. Sie teilte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mit diesen und integrierte sie in das vorhandene Team. Sie begleitete diese dabei, eigene Ideen zu entwickeln und einzubringen, ihre Talente und Begabungen zu entdecken und zu entfalten,  Selbstwirksamkeit zu erfahren und sich durch Selbstreflexion weiterzuentwickeln.

Daneben wirkte sie bei zahlreichen Seminaren (Lebe Deinen Traum, Funkenfeuertreffen, Blockseminar an der Uni Tübingen „Bildung zum Schutz der Erde“, Einführungsseminar „Zukunft der Bildung“, „Klimaschutz & Ernährung“, „Biovegan – gesund, lecker und bezahlbar“) als Assistenz mit, hatte die Gelegenheit, bei zahlreichen Projekten von Schützer der Erde e.V. einer erfahrenen Fachkraft „über die Schulter zu schauen“ und bei gemeinsamen Öffentlichkeitsaktionen – einem Infostand beim großen unterfränkischen Umweltbildungstag mitzuwirken. Sie besuchte in Eigenregie zahlreiche externe, zusätzliche Seminare, vor allem zu Themen des interkulturellen Lernens, zu Planspielen, Dragon Dreaming, Improvisationstheater, eine Tagung zur Zukunft der Ausbildung von Fachkräften der Bildung für nachhaltige Entwicklung und organisierte ein Seminar zu „Gewaltfreier Kommunikation“. Außerdem gewann sie einen kleinen Einblick in eine freie, demokratische Schule.

 

Selbstorganisation – das Lernen lernen

Darüber hinaus eignete sie sich zahlreiche Kompetenzen in Selbst-, Ziel-, Zeit- und Projektmanagement, in Unternehmensführung, Personalentwicklung, Fundraising und Buchhaltung an, stellte unter anderem einen erfolgreichen Förderantrag für eine Projektförderung.

Sie nutzte die Chance, sich in zahlreiche Themen, wie z.B. Abfall, Plastik, Freilernen, alternative Bildungswege, Ernährung & Klimaschutz, Energiewende, gewaltfreie Kommunikation, Permakultur, friedfertiger, bioveganer Landbau, naturnahes Gärt­nern, natürlicher Umgang mit Pferden, Heil- und Wildkräuter, Ganzheitsmedizin, DIY (Aufstriche, Cremes, Haarwaschmittel u. a. selbst herstellen), Upcycling, zukunftsfähige Mobilität und vieles mehr mit Hilfe von Büchern, Internetrecherche, Vorträgen, Hospitationen theoretisch sowie durch praktisches Ausprobieren einzuarbeiten.

Ein wichtiger Pfeiler ihrer Selbstlernausbildung war und ist das Erproben von Möglichkeiten zur vertieften und strukturierten Selbstreflexion, was durch den täglichen Austausch in der Gemeinschaft erweitert wurde. So konnte nicht nur sie selbst viel mehr Klarheit über ihren eigenen Weg gewinnen, sondern alle Beteiligten konnten voneinander lernen und Anstöße sowie Impulse zur Selbstreflexion erhalten.

Sie hat nicht nur einen Methodenkoffer erstellt, sondern auch ein Konzept zur Einarbeitung von Praktikantinnen – mit dem Ziel, diese bei der Selbstorganisation und dem Lernenlernen zu unterstützen.

Zum selbst organisierten Lernprozess in ihrem Selbstlernstudium in Gemeinschaft gehörte aber auch, eigene Grenzen zu erkennen, sich Zeit für Sport, Tanz, Spiel, Nähen, kreatives Gestalten, Entspannung, Naturerlebnis, Freunde, Aktivismus, Engagement in der küche für alle, zum kreativen Entwickeln von bioveganen Mahlzeiten mit immer wechselnden, geschenkten bioveganen Lebensmitteln zu nehmen, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, eine Hilfsfahrt nach Calais zu organisieren, Kontakte mit Transitiontowninitiativen zu knüpfen, Umsonstfeste zu organisieren und vieles mehr..

Es gehörte auch dazu, verschiedene kreative Fundraisingmöglichkeiten auszupro­bieren und sich dabei mit rechtlichen sowie bürokratischen Hürden ausein­ander­zusetzen.

Die wesentlichen Aspekte das Selbstlernstudiums in Bildung zum Schutz der Erde / Mitweltbildung

Und wie geht es weiter?

Christina ist es nun gelungen, die finanziellen Rahmenbedingungen ihres Selbstlernstudiums noch freier zu gestalten und durch eigene Aufträge sowie einen minimalistischen, zukunftsfähigen Lebensstil, nach dem Motto – Vorhandenes sinnvoll nutzen –,  unabhängig von Geldsorgen und fremdbestimmter Arbeit weiterhin das zu tun, worin sie einen Sinn sieht und womit sie zu einem gesellschaftlichen Wandel beitragen kann.

Die nächsten Monate wird sie sich nun der Vernetzungstätigkeit widmen, viel unterwegs sein, bei der Wanderuni sowie bei verschiedenen Festivals, Kongressen und Konferenzen (z.B. Und-Jetzt-Konferenz, Auerworldfestival, …) mitwirken, bei denen es um alternative Lebensstile, Utopien für eine lebenswerte, gerechte Gesellschaft und um den Austausch mit anderen Freilernenden geht. So kann sie dadurch nun Vieles auch wieder weitertragen und weitergeben, was sie selbst erfahren durfte. Außerdem wird sie andere Freiwillige begleiten.

 

Fazit:

Unser Experiment Selbstlernstudium können wir bereits jetzt als vollen Erfolg bezeichnen. Wenn wir Christinas Wirken unserer Konzeption gegenüberstellen, dann stellen wir mit Freude fest, wie viel von dem, was wir uns erträumt haben, tatsächlich gelungen ist.

 

Was durften wir lernen?

Alle Beteiligten, nicht nur Christina und ich, sondern auch Sofia und Ilka sowie alle anderen, die kurzzeitig unseren Weg mitgingen, durften durch dieses Experiment soo viel lernen!

Was werden wir in Zukunft, wenn ab Oktober der Modellstudiengang Mitweltbildung & Potenzialentfaltung beginnt, der auch in einer neuen Variante des Selbstlern­studiums absolviert werden kann, besser machen?

 

  1. Alle Beteiligten sollten von Anfang an mindestens ein praktisches, eigenes Projekt umsetzen, bei dem sie kontinuierlich Selbstwirksamkeit erfahren und in praktischer Forschung die komplette Eigenverantwortung übernehmen können. Das sollte ein Projekt in Eigenregie, an welchem Ort auch immer mit selbst gewählter Zielgruppe, mit selbst gefundenem Kooperationspartner und nicht ein Projekt von Schützer der Erde e.V. mit dessen KundInnen sein. So vermeiden wir, dass innerhalb unseres Teams eine Hierarchie zwischen Auftraggebenden und Auftragnehmenden entsteht.
  2. Wir wollen erreichen, dass wir ab Oktober einem Kernteam von Selbstlernstu­dierenden durch ein Stipendium ermöglichen können, die Räume in der Goldbrunnenstraße mietfrei als Wohn-, Lebens-, Seminar-, Reflexions-, Rückzugs- und Gemeinschaftstrainingsort zu nutzen – so lange und so oft, wie das JedeR einzelne will, ohne an einen Mietvertrag gebunden sein. So wollen wir noch mehr Freiheit schaffen, damit Selbstlernende, die spüren, dass sie aktuell auf Reisen, an anderen Neues, Anderes, Wichtiges lernen und erfahren dürfen, dies ohne Bindung an den Ort in Esselbach frei tun können.
  3. Der Ort in Esselbach soll so für alle Beteiligten ein Ort des bedingungslosen Seins werden, wo sie hinkommen, wohnen, leben, lernen, Ideen entwickeln, sich austauschen, experimentieren, neue Lebens-, Ernährungs- und Konsumstile ausprobieren, Gemeinschaftserfahrungen machen, Projekte gemeinsam umsetzen, sich gegenseitig inspirieren, aber auch wieder gehen können, ohne an den Ort oder die Menschen, die dort sind, gebunden zu sein. Dies soll nur dort Grenzen haben, wo sie im Team eine gemeinsame Verant­wor­tung für bestimmte Projekte oder Seminare übernommen haben, an denen sie als Assistenz oder Teammitglied verbindlich mitwirken wollen.
  4. Durch Gespräche mit den Geldgebern, mit dem Bundesamt, das durch den Bundesfreiwilligendienst einen Rahmen für unser Experiment Selbstlernstudium ermöglichte, gelang es uns zu erfahren, dass dieser Freiwilligendienst tatsächlich noch mehr Möglichkeiten bietet, um gesellschaftliches Engagement und Persönlichkeitsentwicklung bei jungen Menschen zu fördern, als wir dachten. Dies wollen wir noch genauer abklären, damit unser Ziel – einen Rahmen des vollen Vertrauens in junge engagierte Menschen, der Offenheit, der Transparenz und des Wohlfühlens zu schaffen – noch besser erreicht werden kann. An Christinas Beispiel können wir nun aufzeigen, dass Freiwilligendienste noch freier sein können und sollten, wenn wir ein Maximum an Motivation und Potentialentfaltung erreichen wollen. Wir sind zuversichtlich, dass wir das auf der Basis unserer ermutigenden Erfahrungen schaffen werden.
  5. Das Haus Goldbrunnenstraße in Esselbach soll noch für mehr junge Menschen ein Ort werden, wo sich Engagierte, die ähnliche Ziele und Werte teilen und die das Ziel vereint, einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einer friedlichen, gewaltfreien Erde für Mensch, Natur und Tiere voranzubringen, begegnen, austauschen, reflektieren und gemeinsame Projekte voranbringen können. Das wollen wir dadurch erreichen, dass wir ab Oktober einen Bundesfreiwilligendienst für junge Menschen anbieten wollen, die entweder selbst bereits ein konkretes Projekt geplant haben, das sie mit einem Kooperationspartner an ihrem Wohnsitz umsetzen wollen oder die bei einem Kooperationspartner – z.B. einer demokratischen Schule – einen Freiwilligendienst leisten und sich begleitend von uns zu MitweltpädagogInnen und Potentialentfaltungscoaches entwickeln wollen. Vielleicht könnte es auf diese Weise sogar gelingen, dass an verschiedenen Standorten (z.B. Hanno­ver, Berlin, Leipzig, Freiburg) Lern-, Engagement- und Wohngemein­schaften entstehen, wo mindestens Tandems von Freiwilligen gemeinsam wirken und leben. So könnte noch mehr Vielfalt beim Skillsharing entstehen.
  6. Die von Schützer der Erde e.V. begleiteten Freiwilligen / Selbstlernenden sollen ein Budget erhalten, um selbst eigene, selbst gewählte Seminarthemen bearbeiten zu können
  7. Ab Oktober wollen wir eine Gruppe von Menschen bilden, die gleichbleibend über ein Jahr zusammenbleiben will. Denn für den Teambildungs- und Persönlichkeitsentwicklungsprozess ist es besser, wenn nicht laufend neue Teammitglieder aufgenommen werden, sondern es eine konstante Gruppe gibt, die gemeinsam wächst und zusammenwächst.
  8. Ein neues Seminarformat soll erprobt werden, bei dem es um grundlegende Lebensfragen und Themen wie z.B. Glück, inneres Wachstum, Lebenssinn und Lebensziel, inneren Berufung, Visionssuche, Tiefenreflexion und mehr gehen soll, wodurch auch eine noch besser Teamqualität erreicht werden soll.

Impressionen vom Selbstlernstudium / Stand: Dezember 2015:

 

Du möchtest das auch schaffen? Du möchtest ebenfalls den Quereinstieg in pädagogisches Wirken für den gesellschaftlichen Wandel innerhalb eines Jahres erreichen? Dann bewirb Dich JETZT für unser neues, intensives Selbstlernstudium, das zum 1. Oktober 2016 beginnt!

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