Inklusion: Wandlungs(t)räume-Seminare

Warum Bildung der Zukunft ganzheitlich, solidarisch und tauschlogikfrei sein sollte

Die Forderung nach einer inklusiven Bildung ist integraler Bestandteil der Agenda 2030 mit dem Ziel 4. Gemäß dem UNESCO-Weltaktionsprogramm: Bildung für nachhaltige Entwicklung ist BNE ein ganzheitliches Konzept, welches „jedem Einzel­nen [ermöglicht], die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen“.

Ziel 4: Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern

Während in Deutschland der Begriff „Inklusion“ oft nur in einem engeren Sinne, im Kon­text von Menschen mit einem diagnostizierten Förderbedarf verwendet wird, ver­tritt die UNESCO unmissverständlich einen weiten Inklusionsbegriff, der alle Men­schen einschließt. Inklusive Bildung bedeutet, dass alle Menschen an qualitativ hoch­wer­­tiger Bildung teilhaben und ihr Potenzial entfalten können. Weder Geschlecht, so­zia­le oder ökonomische Voraussetzungen noch besondere Lernbedürfnisse dürfen da­zu führen, dass ein Mensch seine Potenziale nicht entwickeln kann.

 

Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Weiterbildung Wandlungs(t)räume-Coach – ganzheitliche Natur- und Mitweltbildung

Gerade an diesem Anspruch scheiden sich jedoch die Geister.

Dass wir Bildungs­inno­vationen, ganzheitliche Konzepte für eine Bildung der Zukunft, brau­chen, darin sind sich alle einig. Allerdings ist Bildung in unserem kapitalistischen Sys­tem weit­gehend verstaatlicht. Freie Schulen oder Hochschulen können ohne staat­­li­­che Zuschüsse nicht überleben, weil die darin Tätigen ihre Arbeitskraft verkau­fen müssen, um ihre Existenz zu sichern.

Lernorte, die ohne staatliche Zuschüsse auskommen wollen, müssen kosten­dec­kende Schul- oder Studiengebühren erheben. Aber wer kann sich schon ca. 45.000 € pro Jahr für die Schulbildung seines Kindes leisten (konkretes Beispiel einer Elite-Internatsschule, die allerdings zusätzlich noch staatliche Zuschüsse erhält)? Solche Lernorte sind also definitiv nicht inklusiv. Sie können sich nur an eine reiche Elite wenden.

Wenn wir also für Kinder ab dem Kindergartenalter eine kostenlose, hochwertige, inklusive und gerechte Bildung wollen, die die lebenslange Freude am Lernen, an der persönlichen Weiterentwicklung sowie der Potenzialentfaltung von Menschen fördert, dann müssen sich die Bildungsinhalte und –ziele (ganzheitliche, inklusive, globale gerechte Bildung für nachhaltige Entwicklung / Globales Lernen entsprechend Bil­dungs­ziel (SDG) 4) auch in den Rahmenbedingungen und Strukturen des Bil­dungs­ange­bots widerspiegeln.

Für unser Team bedeutet das: Wenn wir Schulprojekte, Kinderferienprojekte, Wand­lungs­(t)räume-Visionstage, Multiplikator*innenschulungen und Workshops umsetzen, die sich an den hohen Ansprüchen der Agenda 2030 und an den Best-Practice-Kri­te­ri­en einer Bildung für nachhaltige Entwicklung messen lassen, dann müssen wir zwin­­gend Anmeldebedingungen so gestalten, dass sie Niemanden aufgrund seines Ge­schlechts, seiner sozialen Herkunft oder seiner ökonomischen Verhältnisse aus­schlie­ßen.

 

Inklusive, gerechte, hochwertige Bildung – Quadratur des Kreises?

Gerade hier zeigt sich die Schwierigkeit: Wie soll das möglich sein?

1. Möglichkeit: Bildungspionier*innen leben absolut minimalistisch und wirken voll­­stän­dig oder weitgehend ohne Bezahlung, um auf diese Weise – ohne staat­liche Unterstützung – kostenlose, inklusive Bildungsangebote verwirk­li­chen zu können. Dies wird auch so schon von manchen – vor allem jugend­li­chen Bildungspionier*innen praktiziert. (www.utopival.de, www.utopikon.de/ https://move-utopia.de/, https://reiseuni.wordpress.com/, http://wanderuni.de/…)
Vorteile: Absolute Unabhängigkeit von staatlicher Einflussnahme. Freies Sich-Bilden wird gefördert. Nachteil: Mittel- und langfristig ist es als Pionier*in sehr schwer bis unmöglich, auf dieser Basis eine langfristige Lebens- und Familien­pla­nung aufzubauen. Eine Zertifizierung für den Nachweis von Umsetzung be­stimmter Qualitätskriterien, die wiederum als Referenz für weitere Tätigkeiten frei­beruflicher Art oder gar als staatlich anerkannter Abschluss dienen kann, gibt es in diesem Bereich unseres Wissens nach bisher nicht.

2. Möglichkeit: Bildungspionier*innen wirken teilweise kostenlos (ehrenamtlich) und teilweise bezahlt – als Sozialunternehmer*innen:

  • Sie werben Fördergelder von staatlichen Stellen, Stiftungen o­der pri­va­ten Spender*innen (z. B. per Crowdfunding, Fördermitglied­schaf­ten, Paten­schaf­ten…) ein („verkaufen“ ihre Dienstleistung also an die ge­nann­ten Geldge­benden).
    Vorteile: Relativ große Unab­hängigkeit von staatlicher Ein­fluss­nahme, aber mit Bezug zu staatlich befürworteten Bildungs- und Ent­wick­lungs­zie­len (z. B. Agenda 2030, Nationaler Aktionsplan BNE, …).
    Nachteil: In aller Regel fördern Stiftungen und staatliche Stellen nur als An­­schub­finan­zie­rung in der Modellphase. Sie bezuschussen nur Bil­dungs-Inno­va­ti­onen, sodass es außergewöhnlich schwierig ist, für erfolg­reich erprobte Konzepte eine Dauer­finanzierung zu erreichen. Bildungs­wandel geht auf diese Weise im Schnecken­tempo voran, zumal da unglaublich viele personelle (ehrenamtliche) Ressour­cen durch Förder­an­trags­bürokratie, Entwickeln von Förderanträgen etc. gebun­den wer­den. Denn jegliche Einreichung ist quasi wie ein Wettbewerb. Eine Jury oder ein Gremium wählen aus, was sie als förderungswürdig einstufen. In der normalen Wirtschaft muss ein Unternehmer natürlich auch ein An­gebot erstellen und dann damit rechnen, dass es angenommen oder ab­gelehnt wird. Allerdings ist er nicht von so wenigen möglichen Auftrag­neh­mern abhängig.
  • Sie erheben gestaffelte Teilnehmendenbeiträge nach eigenem Ermes­sen (z. B. nach bestimm­ten Regeln und Richtwerten, dem Prinzip „pay what you want“, im soge­nann­­ten „Bieterrun­den­verfahren“) oder gegen nicht-monetäre Leistungen (z. B. Mithilfe).
    Vorteile: In der Regel ge­koppelt mit großer Transparenz, sehr hohe In­klusion, Vertrauen in Fair­ness und Gerechtigkeit der Teilnehmenden.
    Nachteil: Möglicher­weise mangelnde Wertschätzung des Angebots (ggf. auch nur unbewusst), weil unter Umständen eine gewissenhafte und gut überlegte Abwägung, ob man das Angebot wirklich braucht, es wirklich wertschätzt und bereit ist, selbst Energie und Zeit aufzubringen (bzw. angesparte Energie und Zeit in Form von Geld einzubringen), nicht unbedingt notwendig ist und Menschen, die durch unser System sozia­li­siert wurden, eher dazu neigen, nur auf ihren persönlichen Vorteil zu ach­ten, weniger zu geben, als zu nehmen.

3. Möglichkeit: Bildungpionier*innen beschränken sich auf Weiterbildungen, mit denen sie sich vorrangig an Zielgruppen richten, die in der Lage sind, kosten­deckende Teilnehmendenbeiträge bezahlen zu können. Das sind in der Regel eher Berufstätige, Menschen mit Anspruch auf staatliche Bildungsprä­mien und Bildungsurlaub. Solche Weiterbildungen, die von verschiedenen Lernor­ten an­ge­boten werden, sind jedoch nicht inklusiv. Den Anspruch, dass „Niemand aufgrund seiner ökonomischen Verhältnisse“ ausgeschlossen wird, erfüllen sie nicht.

Manche lösen diesen Widerspruch dadurch, dass sie Stipen­dienfonds haben, mit deren Hilfe sie – in Einzelfällen – auch dann eine Teilnahme ermöglichen können, wenn eine Person sich den kostendeckenden Preis nicht leisten kann. Schwierig wird es jedoch, wenn beispielsweise genauso viele Interessierte den kostendeckenden Preis bezahlen könnten wie es Menschen gibt, die ihn nicht bezahlen können. Wie soll dann die Inklusion fair realisiert und geregelt werden?

Perspektivwechsel

Perspektivwechsel: inklusive Bildung in utopischer Gesellschaft

Betrachten wir das Ganze nun einmal aus der Perspektive einer utopischen Gesell­schaft, in der die Grundexistenz aller Bürger*innen – z. B. durch ein bedin­gungs­­loses Grundeinkommen oder sogar durch die völlige Abschaffung von Geld und Tausch – geregelt wäre. Alle Menschen hätten die Garantie, dass ihre materiellen Grundbedürfnisse gedeckt sind. Oder – im Fall der völligen Abschaffung von Geld und Tausch – würden alle Menschen  im Vertrauen darauf leben, dass sie zur richtigen Zeit stets das geschenkt bekommen, was sie selbst brauchen. Sie würden wiederum mit Freude anderen schenken, was diese brauchen. In dieser Utopie fühlen sich die Menschen als Einheit mit allem Leben, nicht als getrennte Individuen. Daher spüren sie in ihrem Inneren, wie sie sich selbstlos im Sinne des Wohles aller Lebewesen verhalten können und tun dies auch.

Niemand müsste dann mehr für Bildung bezahlen. Sie wäre für alle kostenlos und würde von den Menschen, die sich auf freiwilliger Basis bilden wollen, seien es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, dann gewählt, wenn sie darin einen Sinn sehen – für sich selbst und für das große Ganze.

Auch wenn eine solche Utopie für die meisten Menschen unvorstellbar und kaum denkbar ist, wer sollte denn anfangen, sie – wenn auch in minimalem Maße – ein Stück weit zu leben, wenn nicht wir, die wir als Pionier*innen einer Bildung der Zukunft tätig werden (wollen)?

Denn das, was wir in Bildungsprojekten, Workshops, Seminaren und Weiterbil­dun­gen weitergeben, sollte von uns vorgelebt sein. Allein durch die von uns gestalteten Rahmendbedingungen von Bildung sollten wir alle Beteiligten zum Querdenken sowie zum Perspektivwechsel anregen.

Wie wäre es also, wenn wir ganzheitliche, inklusive, hochwertige Bildung für nach­halti­ge Entwicklung für die Beteiligten einer Weiterbildung – zumindest teilweise -als Geschenk (als Stipen­dium) ermöglichen und alle Beschenkten wiederum dazu einladen, selbst wiederum zu Schenker*innen für weitere Interessierte zu werden, die ebenfalls den Wunsch ha­ben, die Weiterbildung als Geschenk zu bekommen? Wie wäre es, wenn alle Be­schenk­ten wiederum zu Funkenträger*innen werden, die in ihren Kreisen viele, viele Menschen dazu einzuladen, die oben beschriebene Utopie wenigstens in kleinem Maß­stab Wirklichkeit werden zu lassen?

 

Eine Kette des Schenkens in Gang bringen

Wir würden auf diese Weise eine Kette des Schenkens in Gang bringen, bei der alle Beteiligten sich nicht einfach etwas kaufen, sondern die Freude am Beschenkt­wer­den und am Schen­ken erleben. Ein Experiment, bei dem wir ein Stück weit erleben und verstehen können, was die Utopie einer Schenkökonomie bedeutet.

 

Genau dieses Experiment machen wir bei der Weiterbildung Wandlungs(t)räume-Coach.

Denn Ziel und Inhalt dieser Weiterbildung ist es, alle Beteiligten dafür zu sensibili­sie­ren, welche Bedingungen es für inklusive, hochwertige, ganzheitliche Bildung braucht, damit alle Beteiligten über sich hinaus wachsen und ihr Potenzial entfalten. Dieses Experiment ist Teil unseres Modellvorhabens, des Wandlungs(t)räume-Projekts, mit dem wir zum Querdenken und Perspektivwechsel anregen wollen, damit alle Erfahrungen sammeln, wie auch sie wiederum inklusive Bildungswandelräume gestalten können.

  • Möchtest du Teil dieses utopischen Experiments sein?
  • Möchtest du Teil der Kette des Schenkens und als Pate / Patin Teil einer Ge­mein­­schaft solidarischer Menschen sein, die durch ihren Gemeinschaftssinn die Tausch­logik unseres kapitalistischen Systems, wenigstens im Kleinen, ein Stück weit überwin­det?

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