Mitweltbildung, kreative Gestaltungskompetenz, Potentialentfaltung – Möchtest Du mit uns den Bildungswandel voranbringen?

Millionen von Menschen sind weltweit auf der Flucht – so viel wie nie zuvor seit dem 2. Weltkrieg. Die Ursachen dafür haben hauptsächlich wir Menschen in den Industrieländern verursacht – durch Kriege, Waffenexporte, durch den von uns verursachten Klimawandel, durch Ausbeutung anderer Länder und vieles mehr. Der Klimawandel schreitet ungebremst voran[1]. Die Bundesregierung rechnet mit 200 Millionen Klimaflücht­lingen und ver­weist auf ent­spre­chende Warnun­gen von Klimafor­schern.[2] Dass alle 3,6 Sekunden ein Mensch verhungert, obwohl genug Nahrung da ist, dass ist schon lang bekannt. Dass weltweit pro Jahr 60 Milliarden Tiere getötet werden, um gegessen zu werden – mit dramatischen Folgen für Klima, Umwelt, globale Gerechtigkeit und Gesundheit, auch das ist längst bekannt. Dass alle 2 Sekunden ein Hektar Regenwald verschwindet, was hauptsächlich mit dem hohen Fleischkonsum zusammenhängt – derartige Nachrichten berühren die meisten Menschen leider nicht sonderlich.

Doch nun wollen Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen, zu uns kommen. Damit kommen von uns verursachte Probleme vor unsere Haustüre. Wäre dies nicht ein Anlass, zu fragen, ob und inwiefern wir selbst Teil von Fluchtursachen sind?

  • Wie gehst Du damit um?
  • Möchtest Du Dich für eine Bildung engagieren, die wirklich helfen kann, die Probleme der Erde zu lösen?
  • Wenn ja, welche Art von Bildung brauchen wir dafür?

Um diese Fragestellungen geht es in diesem Artikel.

Vielleicht fühlst Du Dich angesprochen, selbst Teil der Lösung der Probleme zu werden und möchtest lernen und verstehen, wie Du selbst zum Bildungswandel beitragen kannst? Dann solltest Du weiterlesen.

 

Wir brauchen einen radikalen Bildungswandel

Meines Erachtens brauchen wir einen radikalen Bildungswandel und eine ganzheit­liche Bildung, die nicht nur an der Oberfläche bleibt. Wir brauchen eine Bildung

  • mit einem Werteangebot, das noch über das der Nachhaltigkeit hinausgeht,
  • die freiwilliges Lernen von klein auf sowie echte Mitbeteiligungschancen ermöglicht,
  • die Menschen dabei unterstützt, mehr in ihr Inneres zu finden, sich in der Tiefe zu erkennen und die innere Verbindung mit allen Lebewesen mehr zu spüren.

Pizzakaufspiel-Karl-Kreuter-Schule

Eine solche Bildung in kleinen Schritten voranzubringen und modellhaft zu praktizieren, das sehen wir im Erdschützerprojekt als unsere Forschungsaufgabe an. Diese Bildung hat verschiedene Dimensionen:

 

Mitweltbildung – die ethische Dimension

Die entscheidende Basis für eine solche Bildung sind die Menschen, die sie praktizieren (wollen). Doch wo können Menschen lernen, eine derartige Bildung zu praktizieren?

Weil es dafür bisher keinen Studiengang gibt, haben wir das Experiment Selbst­lern­studium in Bildung zum Schutz der Erde / Mitweltpädagogik sowie das Erdschützer­netzwerk ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Handlungsforschungs­pro­jekts haben sich Menschen zusammengefunden, die die Ethik der Gewaltlosigkeit und der Ach­tung vor allem Leben teilen. Wir wollen gemeinsam Erfahrungen mit der Umsetzung dieser Ethik sammeln und sie vorleben. Auf der Grundlage der gemeinsamen Basis erproben wir neue Handlungsmöglichkeiten und entwickeln gemeinsam innovative Projekte.

Mitweltbildung ist mehr als Umweltbildung. Mitweltbildung hat als Vision eine gewaltfreie, friedliche Erde, auf der der Mensch mit seiner gesamten Mitwelt, mit Mitmenschen, Tieren und Pflanzen in Einheit, Liebe und gegenseitiger Achtung zusammenlebt. Aus dieser Vision leitet sich das Werteangebot von Mitweltbildung ab. Dieses Werteangebot entspricht der Golde­nen Regel – Was Du nicht willst, das man Dir tu’, das füg’ auch keinem Anderen zu“, die in der Mitweltbildung auch auf den Umgang mit Tieren und Natur bezogen wird. Mitwelt­bil­dung hat also eine noch größere Vision als die Konzepte Umweltbildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung, die aus der Überzeugung entstanden sind, dass der Mensch seine eigene Lebensgrundlage in Gefahr bringt, wenn er nicht nachhaltiger mit den Ressourcen der Erde umgeht. In der Umweltbildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung wird das Töten von Menschen oder Tieren nicht grundsätzlich abgelehnt, es geht in diesen Bildungs­konzepten darum, eine lebenswerte Zukunft für die Menschen zu sichern. In der Mitweltbil­dung geht es jedoch nicht nur um das Überleben der Menschheit. Mitweltbildung will ein Bewusstsein für die Ehrfurcht vor allem Leben fördern, weil sie eine Zukunft anstrebt, die nicht nur lebenswert für Menschen ist, sondern auch das Lebensrecht und die Würde der Tiere respektiert. Mitweltbildung sieht alles Leben als schützenswert an und möchte bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen daher einen achtungs- und verantwortungsvollen Umgang mit Mitmenschen, Tieren, Pflanzen sowie der gesamten Mitwelt fördern. Dies ist die ethische Dimension von Mitweltbildung.

Wenn Du also gemeinsam mit uns Methoden, Konzepte und Projekte ent­wickeln und als Vorbild im Sinne der genannten Mitweltbildungsethik tätig werden möchtest, laden wir Dich herzlich ein, Teil des Erdschützernetzwerks zu werden.

 

Die Bildungsdimension – kreative Gestaltungskompetenz erwerben

Hierarchische Strukturen, Zwang, Konkurrenz, Fremdbestimmung etc. kennzeichnen unser gegenwärtiges Bildungssystem. Wenn erreicht werden soll, dass Menschen sich selbst sowie ihren Konsum- und Lebensstil reflektieren und aus Einsicht freiwillig verändern, dann brauchen wir eine Bildung, die vor allem auf Freiwilligkeit sowie auf Gleichachtung, Partizipation und Wertschätzung basiert. Wir brauchen also eine Bildung mit einer anderen, inneren Haltung der Beteiligten sowie andere Strukturen, die freiwillige, partnerschaftliche auf gegenseitiger Wertschätzung basierende Bildungsprozesse fördern, anstatt zu behindern.

Um Menschen zu befähigen, in Freude, Liebe, Frieden und Einheit mit allen Mitlebewesen leben zu lernen, brauchen Menschen auch Kompetenzen. Bildung für nachhaltige Ent­wick­lung orientiert sich daher an dem Konzept der Gestaltungs­kompetenz, das auch in der Mit­weltbildung eine wichtige Rolle spielt.

Mit Gestaltungskompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhal­tiger Entwicklung erkennen zu können. Das heißt, aus Gegenwartsanalysen und Zukunfts­studien Schlussfol­ge­­run­gen über ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen in ihrer wechsel­seiti­gen Abhängigkeit ziehen und darauf basierende Entscheidungen treffen, ver­stehen und indi­vi­duell, gemeinschaftlich und politisch umsetzen zu können.

Komponenten einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, die gestaltungskompetentes Ent­schei­den und Handeln ausmachen, sind:

  • Weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen
  • Vorausschauend Entwicklungen analysieren und beurteilen können
  • Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln
  • Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können
  • Gemeinsam mit anderen planen und handeln können
  • Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen können
  • An kollektiven Entscheidungsprozessen teilhaben können
  • Sich und andere motivieren können, aktiv zu werden
  • Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren können
  • Vorstellungen von Gerechtigkeit als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage nutzen können
  • Selbstständig planen und handeln können
  • Empathie für andere zeigen können“[i]

Wer das Konzept der Gestaltungskompetenz zu Ende denkt, wird zu dem Schluss kommen, dass in herkömmlichen Bildungsstrukturen die Entwicklung von Gestaltungskompetenz so­wie ihrer Teilaspekte eher behindert als gefördert wird.

Wenn es sowohl in der Schule, als auch an der Uni eine Verbindung von Theorie und Praxis gäbe, dann könnten junge Menschen z.B. lernen, „gemeinsam mit anderen zu planen und zu handeln“, „an kollektiven Entscheidungsprozessen teilzuhaben“, „sich selbst und andere zu motivieren“. Schülerfirmen sind z.B. gute Beispiele, um Kompetenzen in der Verbindung von Theorie und Praxis aufzubauen.

Im Erdschützerprojekt liegt daher ein weiterer Schwerpunkt darauf, förderliche und hemmen­de Bedingungen für die Entwick­lung von Gestaltungskompetenz zu erkennen und sie in par­ti­zipativen Prozessen so zu ver­ändern, dass möglichst optimale Bedingungen für die Ent­wick­lung von kreativer Gestaltungs­kompetenz entstehen. Zu diesem Zweck suchen wir nach Nischen und Freiräumen in bestehenden Bildungsstrukturen und gestalten in eigenen, außer­schulischen und außeruniversitären Projekten gemeinsam Wohlfühl-Rahmenbedingun­gen für freie, partizipative, kreative Bildungsprozesse.

Wenn Du gerne auf Augenhöhe möglichst optimale Rahmenbedingungen für die Entwicklung von möglichst hierarchiefreiem, selbstbestimmtem, freiem, kreativen Lernen mitgestalten möchtest, dann mach mit im Erdschützernetzwerk!

 

Potentialentfaltung – die Tiefendimension der Bildung

In der Agenda 21 / Kapitel 36 heißt es: „Bildung/Erziehung einschließlich formaler Bildung, öffentlicher Bewusstseinsbildung und be­ruf­licher Ausbildung sind als ein Prozess zu sehen, mit dessen Hilfe die Menschen als Ein­zel­personen und die Gesellschaft als Ganzes ihr Po­ten­tial voll ausschöpfen können.“

Doch welche Voraussetzungen braucht es, damit Menschen ihr Po­ten­tial voll ausschöpfen können?

In herkömmlichen Bildungs­strukturen

  • lernen junge Menschen leider vorwiegend, sich an bestehende Struktu­ren anzupassen, sie als unveränderbar zu akzeptieren und Dinge zu lernen, in denen sie oft eigentlich keinen Sinn sehen,
  • wird die Förderung von Empathie, Mitgefühl, von tiefen Beziehungen zu Natur, Tieren und Mitmenschen als Nebensache behandelt, die keine oder nur sehr geringe Relevanz hat.

Die Entfaltung des vollen Potentials braucht einerseits freiwilliges, selbstbestimmtes Lernen und ech­te Partizipation im Sinne gelebter Basisdemokratie, andererseits Anregungen und Bildungsprozesse, die es dem Einzelnen ermöglichen, auf der Basis von Freiwilligkeit,

  • sein Denken, Fühlen und Handeln zu reflektieren und
  • zu erkennen, inwiefern er selbst Teil der Probleme der Erde ist, aber auch Teil der Lösung sein kann.

Es gilt vor allem, eigene Ängste, Abhängigkeiten, Denkschranken, innere Blockaden und Fehlhaltungen, die eine Entfaltung des eigenen, vollen Potenzials behindern, zu erken­nen und zu überwinden, um dann aus innerer Motivation freiwillig Verantwortung für das eigene Leben sowie für das Wohlergehen aller Lebewesen auf diesem Planeten zu übernehmen.

Damit Menschen in die Lage versetzt werden, ihr ganzes Potenzial zu entfalten, brauchen sie Bildungsprozesse, im Rahmen derer sie

  • sich Wissen auf freiwilliger Basis aneignen,
  • ihr Gefühle für Mitmenschen, Tiere und Natur vertie­fen,
  • sich selbst immer besser erkennen und reflektieren lernen,
  • angeregt wer­den,
    • alternative Handlungsmöglichkeiten zu erproben,
    • sich selbst zu verändern und lebens­läng­lich dazu zu lernen und
    • sich über ihre eigene ethische Orientierung Gedanken zu ma­chen – wenn sie das wollen.

Mitweltbildung will also starke, selbstbewusste Persönlichkeiten fördern, die tolerant, wertschätzend und respektvoll miteinander umgehen. Mitweltbildung will bei Menschen den Mut fördern, Neues zu erproben und dabei immer zu prüfen, ob das, was sie tun, für sie Sinn macht, ob sie bei ihrem Tun Freude und Begeisterung spüren und ob es ihren selbst gesetzten Zielen und Werten entspricht. Mitweltbildung sieht sich in diesem Sinne als Herzensbildung, die Menschen dabei unterstützt, in allem, was sie tun zu reflek­tie­ren, ob sie es wirklich gerne, mit Freude und aus Liebe tun, oder ob sie es nur deshalb tun, weil sie vor angeblichen „Sachzwängen“ kapitulieren und somit das, was sie in ihrem Inneren spüren, zudecken und verdrängen. Mitweltbildung will dazu beitragen, dass Menschen zu lebensfrohen, selbstbewussten, starken Persönlichkeiten heranwachsen, die die Fähigkeit haben, sich selbst sowie alle bestehenden Strukturen dahingehend zu reflektieren, ob sie einer freien, selbstverantwortlichen Entfaltung dienen oder nicht.

Unser selbst gesetztes Forschungsziel im Erdschützerprojekt ist daher, gemeinsam mit einem Team sehr reflektierter, bewusst lebender Menschen eine Tiefendimension von Bildung zu erreichen, die über das bloße Anwenden von Methoden hinausgeht.

Es geht hier um das Ziel, zu erfassen, dass äußere Probleme, wie Naturzerstörung, Kriege, Gewalt, Ausgren­zung, Fremdenfeindlichkeit etc. innere Ursachen haben. Die äußere „Krankheit“ unseres Planeten spiegelt somit unsere „innere Krankheit“ wider. Insofern ist es Ziel der Erdschützerpädagogik, Menschen mehr in ihr Inneres zu führen, damit sie auf einer tieferen Ebene erfassen und erspüren können, inwiefern sie Teil der Probleme der Erde sind, aber auch, wie sie den erkannten inneren Anteil an diesen Problemen auflösen können, um dadurch von Innen her in umfassendem Sinne zu „gesunden“. Nur wer diesen Weg der Selbsterkenntnis, Bereinigung der inneren Ursachen und Selbstveränderung geht, kann wiederum an­de­ren Menschen Vorbild, BegleiterIn bzw. Coach sein. Nur wer selbst gelernt hat, mehr aus seinem Inneren heraus zu leben, wer gelernt hat, bewusster und zielgerich­teter zu leben, wer durch die eigene Selbsterkenntnis mehr Menschenkenntnis er­wor­­ben hat, kann Anderen spontan Anregungen zur Selbstreflexion geben, damit auch sie bewusster sowie glücklicher leben lernen und ihre Um- und Mitwelt weniger schädigen.

 Wenn Du selbst sehr reflektiert bist und Freude daran hast, im Erdschützernetzwerk gemeinsam mit uns Erfahrungen mit dieser Tiefendimension von Bildung zu sammeln, setze Dich mit uns in Verbindung!

 

Möglichkeiten, unser Team und das Erdschützernetzwerk kennenzulernen, waren bisher z.B.:

 

Geplante, bevorstehende Workshops, Seminar und Mitmachtreffen, bei denen Du unser Team und das Erdschützernetzwerk kennenlernen kannst:

Weitere aktuelle Veranstaltungen findest Du hier.

__________

[1] http://www.sueddeutsche.de/news/politik/un-un-bericht-klimawandel-schreitet-schnell-voran-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-130927-99-06940

[2] http://www.welt.de/politik/deutschland/article132463806/Regierung-fuerchtet-200-Millionen-Klimafluechtlinge.html

[i] http://www.bne-portal.de/was-ist-bne/grundlagen/gestaltungskompetenz/

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