Vision einer friedlichen Erde für Menschen, Tiere und Natur

Visions- und Werteorientierung von Bildung zum Schutz der Erde

Bildung zum Schutz der Erde ist eine Pädagogik mit der Vision einer friedlichen, gewaltfreien Erde, auf der Menschen, Tiere und Natur in Einheit, Liebe und gegenseitiger Achtung leben. Das damit verbundene Werteangebot ist die Orientierung an der Goldenen Regel (Was Du nicht willst, das man Dir tu’, das füg’ auch keinem Anderen zu), die wir auch auf Natur und Tiere beziehen. Bildung zum Schutz der Erde legt diese Vision offen. Wenn Du Dich damit identifizieren kannst und Du selbst Projekte der Bildung zum Schutz der Erde entwickeln und umsetzen willst, solltest Du Dich genauer damit befassen, was diese Vision für Dich bedeutet, was Deine Vision einer friedlichen Erde alles noch beinhaltet. Denn mit diesem einen Satz ist die Vision natürlich noch nicht vollständig beschrieben.

„Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man strebt, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.“
Erich Fromm (1900-80), amerik. Psychoanalytiker dt. Herkunft

 

Wir können Visionen bereits heute ein Stück weit leben

Wir können zwar eine Vision nicht von heute auf morgen generell verwirklichen, aber wir können sie ein Stück weit in unserer Gedankenwelt und in unseren Handlungen Wirklichkeit werden lassen. Ein Beispiel: Vielleicht teilst Du den Traum, den etliche Kinder bei unseren Projekten formulierten. Im Anschluss an die Methode „Kinderarbeit erfahren“ bzw. „Rohstoffe suchen“, bei denen ihnen die extrem ungleiche Verteilung von Ressourcen und die Ausbeutung von Menschen, insbesondere Kindern, bewusst wurde, hören wir immer wieder die realutopische Forderung, dass das Geld abgeschafft und die Ressourcen der Erde gerecht unter allen Menschen aufgeteilt werden sollen.

Es gibt auch manche AktivistInnen, die in „Geldstreik“ treten, um dadurch einerseits zum Perspektivwechsel anzuregen und auf diesen Traum aufmerksam zu machen und um andererseits auch zu zeigen, dass ein glückliches, selbstbestimmtes und erfülltes Leben mit einem Minimum an materiellen Dingen möglich ist. Dieses Minimum an materiellen Dingen kann einem auch dadurch geschenkt werden, dass man bereit ist, Vorhandenes zu nutzen, also z.B. Lebensmittel, die vor dem Wegwerfen gerettet werden oder Kleidung, die sonst im Müll landen würde. „Geldfreies“ Leben ist sicherlich nicht für Jedermann machbar und es ist auch eine Illusion, zu meinen, sich in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem auf diese Weise seiner Logik entziehen zu können. Aber es besteht die Möglichkeit darüber nachzudenken, warum Geld als Tauschmittel überhaupt entstanden ist, warum wir das brauchen, warum es sich dermaßen verselbständigt hat, dass es gar nicht mehr Tauschmittel mit einem realen Gegenwert, sondern Spekulationsobjekt im globalen Casino geworden ist. Es besteht die Möglichkeit, zu überlegen, wo unser Denken und Handeln noch nicht durchwuchert ist von Berechnung, vom Prinzip Leistung und Gegenleistung, gibst Du mir, gebe ich Dir.

Unsere innere Haltung reflektieren und ändern

Warum müssen wir Menschen unsere Arbeitskraft als Ware auf dem Markt verkaufen? Wie sickert dieses Warendenken so in unser Unterbewusstsein hinein, dass wir möglicherweise nur noch dann etwas von unseren Gaben, Talenten und Gütern weitergeben, wenn wir eine entsprechende Gegenleistung erhalten? Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vision kann somit zu einem Perspektivwechsel führen: Wie wünschen wir uns unser Zusammenleben mit anderen Menschen eigentlich? Wie schlimm wäre es, wenn irgendwann selbst in der Familie alles vom Geld- und Warentauschdenken durchwoben wäre. Manchmal ist das leider in gewissem Maße so. Partnerschaften funktionieren dann nicht auf der Basis des selbstlosen Schenkens und Gebens, sondern nach dem Prinzip „Gibst Du mir, gebe ich Dir“. Also eher eine Zweckgemeinschaft, als eine auf Liebe, auf selbstloser, uneigennütziger Liebe beruhende Verbindung. Und wenn dieser unterbewusste Kuhhandel dann irgendwann nicht mehr funktioniert, weil beide das, was man vom Anderen erwartet, nicht mehr so erfüllen, dann gibt’s Probleme.

Stellen wir uns eine Familie vor, in der dem Kind von klein auf vorgerechnet wird, in Euro und Cent, welche Leistungen Mama oder Papa erbracht haben: „Ich habe Dir eine Stunde bei den Hausaufgaben geholfen, Dich zum Ballett gefahren, für Dich gekocht – das schreibe ich nun auf Dein Schuldenkonto, 4 Stunden à 20 €.“ Wir grauenhaft wäre eine solche Welt? Wollten wir so leben?

Agendabücher - Visionen

Die Kinderausgabe der Agenda 21 inspiriert Kinder sehr, um Visionen für einen Planeten der Zukunft zu entwickeln

 

Bewusster leben lernen – mehr Wertschätzung erlernen

Wenn nicht, dann könnten wir weiterdenken: Bekommen wir nicht tagtäglich Geschenke über Geschenke? Die Natur schenkt uns in jedem Augenblick ihre ganze Fülle, ohne uns eine Rechnung zu stellen. Die Sonne erwärmt unseren Körper und unser Herz, Bäume schenken uns Schatten und gute Luft, Vögel erheitern uns durch ihr Vogelkonzert, Bienen bestäuben die Blüten unserer Obstbäume – die Natur ist uns Vorbild. Sie gibt und verschenkt sich selbst dann, wenn wir sie knechten, schänden, gegen sie Krieg führen, sie kaputt machen und ausbeuten. Welch’ ein Vorbild! Aber achten wir doch einmal darauf, wie viele Geschenke wir noch erhalten: das freundliche Lächeln eines Kollegen, das aufmunternde Wort einer Verkäuferin, der Rat eines Freundes. Wir bekommen ständig so viel geschenkt, dass es uns gar nicht mehr bewusst ist und wir es als selbstverständlich ansehen, anstatt diese Geschenke wirklich wertzuschätzen und dankbar dafür zu sein.

Könnten wir uns also eine Erde vorstellen, auf der jeder Mensch im Inneren fühlt, was sein Talent ist, was er gerne und mit Freude verschenken möchte? Eine Gesellschaft, in der jedeR bereit ist, das zu tun, was einfach getan werden muss, weil es notwendig ist. So wie wir in einer guten Familie einfach anpacken, selbst sehen und spüren, was zu tun ist, weil wir innerlich für alles Verantwortung übernehmen. Kann eine Gemeinschaft nicht möglich sein, in der wir uns gegenseitig helfen, füreinander da sind und im wir, statt in der Ichbezogenheit denken und handeln?

 

Aus Aspekten der Vision einen persönlichen Vorsatz erarbeiten

Wenn wir uns über diesen Aspekt der Vision soweit Gedanken gemacht haben, dann wird uns vielleicht bewusst, dass die Vision deshalb noch nicht Realität ist, weil Menschen den einen bevorzugen, den anderen benachteiligen, weil sie sich nicht als Teil einer großen Erdenfamilie sehen, sondern trennen in „Ich“ und „der Andere“. Es wird uns vielleicht bewusst, dass diese Vision voraussetzen würde, dass wir mit allen Mitlebewesen Freundschaft schließen müssten, dass wir fähig sein müssten, alle Menschen und Tiere selbstlos zu lieben, dass wir bereit sein müssten, zu teilen. Dass wir Feindschaft, Hass, Neid und vieles mehr hinter uns lassen müssten, dass wir einander offen, ehrlich und ohne Arg begegnen müssten. Die neue „Währung“ wäre Vertrauen zueinander und die Treue zu uns selbst, aber auch zu allem, was wir anderen versprechen.

Wenn wir bis hierher über diesen Aspekt der Vision nachgedacht haben, werden wir, wenn wir das wollen, auch viele Anhaltspunkte finden, um an uns selbst zu arbeiten, um unser Denken und Handeln zu verändern, z.B. in der selbst gestellten Aufgabe: „ich bin gerecht“, „ich habe Freude am Geben und Schenken“ usw. Wenn wir uns derartige Vorsätze ernsthaft vornehmen, uns den Tag über selbstkritisch beobachten und uns prüfen, wo, wann und wem gegenüber wir unseren Vorsätzen treu blieben, wo nicht und warum, dann gewinnen wir Selbsterkenntnis und können uns ändern. Wir werden dann vielleicht auch die Erfahrung machen, wie viel Freude es macht, zu geben, zu schenken und zu teilen.

 

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
Antoine de Saint-Exupéry (1900-44), frz. Flieger u. Schriftsteller

Was wir selbst an uns erprobt haben, können wir als Vorbilder weitergeben

Haben wir selbst derartige Erfahrungen gemacht, uns dabei selbst erkannt, hinterfragt und verändert, dann können wir Kindern und Jugendlichen auch gute Vorbilder sein und sie wiederum zur Selbstreflexion anregen – ganz situationsorientiert und ungeplant.

So sind wir bei unseren Projekten davon überzeugt, dass unsere eigene Freude am Geben ansteckend ist und wir darum keine Pläne – so genannte „Dienste“ – brauchen, für die sich jeder eintragen muss. Wenn unser Team selbst die ansteckende Freude am Tun vorlebt – das haben wir immer und immer wieder erfahren -, dann kommen Kinder und Jugendliche von sich aus auf uns zu und fragen „dürfen wir in der Küche helfen“. Wenn wir also das Prinzip des freiwilligen, freudigen Gebens vorleben, dann steckt das andere an, nicht immer alle, aber immer mehr. Wenn wir etwas für die Gemeinschaft tun, ist es gleichzeitig ein (Beziehungs-)angebot: Mach mit, wenn Du möchtest und teile mit uns unsere Freude.

  • Wie sieht Deine Vision einer lebenswerten Zukunft aus?
  • Welche Vorsätze könntest Du daraus ableiten und Erfahrungen damit sammeln? 

Erzähle uns gerne von Deinen Ideen und Erfahrungen in einem Kommentar!


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Kommentare: 2

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Kommentare ( 2 )

  • Danke für den inspirierenden Artikel.

    Ergänzen kann ich nur noch die Wunderfrage: “Was würdest Du anfangen, wenn Du wüsstest, dass Du nicht scheitern kannst?”

    • Danke für deinen Beitrag. Ja, diese Frage sollten wir uns alle stellen:-)

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