Wie Du erfolgreich biovegane Kinderferienprojekte umsetzt

Im August 2015 haben wir erstmals ein Kinderferienprojekt, „Reise zum Planeten der Zukunft – Das geheime Netz“ mit ausschließlich bioveganer Verpflegung umgesetzt, an dem 19 Kinder sowie 6 BegleiterInnen beteiligt waren. Warum wir diese Entscheidung getroffen haben, haben wir hier bereits ausführlich erläutert. Im Beitrag „Vegane Ernährung von Kindern ist empfehlenswert – hilf mit bei unserer Ernährungsbildung“ findest Du weitere Argumente zu diesem Thema.

Wenn Du Dich mit dem Thema vegane Kinderernährung noch nicht befasst hast, kannst Du auch noch den Artikel „Vegane Kinderernährung – Groß werden ohne Fleisch“ auf ZEIT-Online lesen. Fazit darin ist: Wenn eine vegane Ernährung gut geplant ist, sich Eltern gut kundig machen und am besten die Blutwerte ihrer Kinder regelmäßig überprüfen lassen, ist eine vegane Kinderernährung aus gesundheitlicher Sicht absolut empfehlenswert, denn sie hat vielfältige Vorteile, für Tiere, Menschen, die Umwelt und den Frieden. In unserem Flyer „Ernährung für eine friedvolle Zukunft – mach mitkannst Du Dich über die Vorteile dieser Ernährungsform weiter informieren.

Vermutlich haben wir bei unserem Kinderferienprojekt weltweit den höchsten Ernährungsqualitätsstandard bei einem Ferienlager umgesetzt:

  • 100% vegan,
  • 100% bio,
  • möglichst aus
    • regionalem,
    • saisonalem,
    • bioveganem, friedfertigem Landbau,
  • möglichst frische Zutaten,
  • möglichst wenig Verpackung und
  • fast keine Wegwerfverluste.

Man muss dabei wissen, dass die Kinder mehrheitlich nicht aus Familien kamen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren. Die Herausforderung dieses Experiments bestand somit darin, herauszufinden, wie es gelingen kann, eine so schmackhafte, leckere Ernährungsalternative anzubieten, um dadurch – sowie durch begleitende Informationen – eine möglichst hohe Akzeptanz bei den Kindern zu erreichen. Dies ist uns offensichtlich gelungen. Die Kinder durften am Ende der Projektwoche alle Aktivitäten mit Schulnoten benoten, darunter auch das Essen (Ø 1,75) sowie den freiwilligen Kochkurs (Ø 1,3). In dem nachfolgenden Kurzfilm erhältst Du einen kleinen Einblick in das Projekt:

6 Aspekte, die Du beachten solltest, wenn Du ein bioveganes Kinderprojekt umsetzt

Damit es hoffentlich bald noch mehr solcher Projekte gibt, gebe ich Dir hier einige Anregungen, die Du beachten solltest.

  1. Biovegane Verpflegung – das ist ganz normal
    Wir haben bezüglich der bioveganen Verpflegung kein großes Aufsehen gemacht. Weder wir BetreuerInnen haben, ohne dass wir gefragt wurden, gesagt, wie wir uns ernähren, noch haben wir die Kinder befragt oder gar Situationen geschaffen, in denen sie sich „outen“ hätten müssen. Wir wollten einfach zeigen, dass eine biovegane Ernährung ganz einfach und ohne Verzicht umzusetzen ist. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen und dank der Unterstützung verschiedener Firmen aus dem Naturkostbereich konnten wir auch wirklich alles auftischen, was Kinder gerne mögen, sogar superleckere, vegane Nussnougatcreme und verschiedenste Varianten veganer Schokoladen, die wie Milchschokoladen schmeckten. Setze also auf leckere Alternativen.
  2.  „Wir sind auf einem Fünf-Sterne-Zeltlager“ – erfülle Kinderwünsche, wenn möglich
    Wir haben von Beginn an betont, dass wir hier ein Fünf-Sterne-Zeltlager sind und die Kinder uns unbedingt mitteilen sollen, wenn sie irgendetwas vermissen oder wir bei der Verpflegung noch irgendetwas verbessern könnten. Dann würden wir unser möglichstes tun, um sie zufrieden zu stellen. Das war und ist natürlich ernst gemeint. Es war uns auch wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass wir wirklich die allerbesten, hochwertigsten Lebensmittel gekauft haben und darum baten, dass sie sich nur so viel auf den Teller laden sollten, wie sie auch wirklich essen, weil wir nichts wegwerfen wollen.
  3. Beziehe Kinder mit ein – erfrage ihre Essenwünsche und Vorlieben
    Kinder haben leider meist wenig zu sagen, sondern müssen in der Schule, auf Zeltlagern, oft auch zuhause, essen, „was auf den Tisch kommt“. Die Erfah­rung, dass sie nach ihren Essenswünschen gefragt werden – und diese dann auch möglichst alle umgesetzt werden – haben sie selten gemacht. In Groß­kan­tinen ist dies auch schwer möglich. Wir verbanden einmal pro Tag die Zubereitung der Hauptmahlzeit mit einem Kochkurs, sodass die Kinder mitentscheiden und mitwirken konnten. So haben sich z.B. einige ältere Jungs gewünscht, Döner oder Dürüm zuzubereiten. Das war nicht schwer. Wir haben Fladenbrote zum Füllen am offenen Feuer gebacken, veganen Tzatziki, Salatblätter, Mais, Tomaten, Oliven sowie mit Zwiebeln angebratenes Weizenfleisch zum Füllen angeboten. Das kam sehr gut an. Wer wollte, konnte sich mit dem Teig aber auch Stockbrot backen.

    Gemeinsam experimentieren, bis der Geschmack der selbst gemachten Milchalternative alle überzeugt


    Zwei Mädchen äußerten bei einer Auswertung, dass sie alles gut fänden, aber Kuhmilch für ihr Müsli zum Frühstück vermissten. Also mixten wir gemeinsam mit ihnen sowie mit anderen interessierten Kindern so lange Varianten selbst gemachter Milchalternativen – bestehend aus z.B. Haferflocken, Mandeln, Datteln, Sojaprotein, Leinsamen und Banane – bis alle mit den Ergebnissen absolut zufrieden waren.

  4. Urteile nicht und respektiere die Freiheit der Kinder
    Es war uns auch wichtig, in keiner Weise zu beurteilen oder gar zu verurteilen, wie sich der Einzelne ernährt oder ernähren will. Während man in Internetfo­ren erbitterte Debatten zwischen Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren und solchen, die das nicht tun, liest, kommen derartige Situationen, in den sich Jemand angegriffen fühlen könnte, bei uns nicht vor. Das liegt daran, dass unsere Betreuerteams sich bemühen, selbst gute Vorbilder zu sein, aber Niemanden „bekehren“ wollen.

    Es kamen z.B. Fragen von Kindern, wie „Muss man sich als Erdschützer vegetarisch oder vegan ernähren?“ oder „Vegan ist doch nicht gesund.“Ausufernde Diskussionen vermeidest Du hier am einfachsten, wenn Du in der ICH-Form von Deinen Erfahrungen berichtest. Z.B.: „Ich habe mir vorgenommen, mich als Erdschützer immer weiter zu verbessern. Das hat damit angefangen, dass ich z.B. keinen Müll in die Natur werfe, dass ich beim Einkauf auf Labels achte, mit Hilfe derer ich dazu beitragen kann, dass Tiere, Natur und Mitmenschen weniger geschädigt werden. Dann habe ich Schritt für Schritt meine Ernährung umgestellt und immer weniger tierische Lebensmittel gegessen, bis ich gar keine Lust mehr darauf hatte. Ich habe mehr Dankbarkeit und Wertschätzung entwickelt für alles, was uns die Erde schenkt. Und so entdecke ich immer neue Dinge, die ich noch weiter verbessern kann und tue das. Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr auch mitmachen und Euch als Erdschützerinnen und Erdschützer immer weiter entwickeln.“Es kommt also darauf an, dass Du andere nicht von Deiner Meinung überzeugen willst, sondern ihnen die Freiheit lässt, ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen – oder auch nicht.
  5. Ermögliche Reflexionsrunden, in denen Kinder Fragen zum Thema stellen können
    Ein wichtiger Aspekt unseres Projektkonzepts ist es, nicht nur auf spielerische Weise Informationen zu vermitteln, intensive Naturerfahrungen zu ermöglichen, ökologisch-globale Zusammenhänge verständlich zu machen und Kindern die Möglichkeit zu geben, auf freiwilliger Basis mehr Verantwortung für sich und für die Erde zu übernehmen. Es ist vor allem wichtig, auch Raum für Reflexionsgespräche in kleinen Gruppen zu geben, damit sich jedes Kind, das möchte, traut, seine Fragen zu stellen, seine Meinung zu äußern und sich in der Gruppe auszutauschen.

    Baden-1

    Eine Wohlfühlatmosphäre, in der die Kinder viele beglückende Erfahrungen machen, ist wichtig – nicht der erhobene Zeigefinger

  6. Biovegane Ernährung ist nur EIN Aspekt der Achtung vor allem Leben
    Sich biovegan und möglichst saisonal, regional und mit frischen Zutaten zu ernähren, das ist eine von verschiedenen Handlungsmöglichkeiten, um alles Leben auf der Erde zu schützen. In unserem Projektkonzept bildet sie auch nur einen Aspekt dessen, was Kinder erleben und erfahren sollen. Unser Projektkonzept ist so gestaltet, dass Kinder vielerlei Impulse erhalten:
  • beglückende Naturerlebnisse,
  • spannende Abenteuer,
  • Gemeinschaftserlebnisse ohne Konkurrenz,
  • Teamgeist, achtsamer Umgang
  • Wohlfühlatmosphäre,
  • Wertschätzung erfahren
  • Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe,
  • Möglichkeiten,
    • Verantwortung zu übernehmen
    • gestärkt zu werden, Stärken und Talente bei sich zu entdecken
    • neue Ideen zu entwickeln und sich kreativ entfalten zu können.

Du solltest Dir immer wieder bewusst machen, dass die allermeisten Menschen – auch wenn sie verstandesmäßig erfassen, dass eine biovegane Ernährung für Um- und Mitwelt vielfältige Vorteile hat, noch lange nicht unbedingt nach dieser Erkenntnis handeln. Menschen brauchen daher auch Hilfe, um emotional so tief berührt zu sein, dass sie

  • Ängste vor Ausgrenzung überwinden,
  • bereit sind, Bequemlichkeit und eingefahrene Gewohnheiten zu überwinden,
  • ihren Vorsätzen und sich selbst treu bleiben und
  • genügend Motivation entwickeln, um sich nötige Ernährungskompetenz selbst frei lernend anzueignen.

Hast Du Fragen oder weitere Erfahrungen und Anregungen? Dann freuen wir uns auf Deinen Kommentar.

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