Wie Du erfolgreich biovegane Schulprojekte zu Klimaschutz und Ernährung umsetzt

Lerne auch Du, wie Du Kinder für klima-, tier- und umweltfreundliche Ernährung begeistern kannst. Denn Klimaschutz-Ernährungsbildung an Schulen ist dringend geboten. Auf Einladung der Stadt Ludwigshafen haben wir im Rahmen ihrer Klimawochen 2015 sechs vierstündige Workshops mit unserem Konzept Klimaschutzkochmobil an Grundschulen mit SchülerInnen der 3. Klasse durchgeführt und möchten unsere Erfahrungen gerne mit Dir teilen. In diesem Beitrag erfährst Du, wie Du selbst ähnliche Projekte in Deinem pädagogischen Tätigkeitsbereich erfolgreich umsetzen kannst.

Bei den Workshops führten wir mit den Kindern (Lern-)spiele durch, mit Hilfe derer diese ein Verständnis dafür entwickeln konnten, warum es einen Klimawandel gibt und welchen Einfluss wir alle – jetzt und sofort – haben, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, nämlich durch die Wahl unserer Ernährung.

Einige Wochen vor Beginn der Workshops hatten wir den Lehrkräften bereits Vorschläge geschickt, damit diese sich mit den Kindern vorbereiten konnten. Bei den beteiligten Schulen handelte es sich überwiegend um soziale Brennpunktschulen mit hohem MigrantInnenanteil. Laut Aussage von beteiligten Lehrkräften kamen ca. 90% der SchülerInnen aus MigrantInnenfamilien, in denen die Eltern häufig kaum deutsch können. Wir mussten uns also darauf einstellen, dass die beteiligten Kinder überwiegend bereits sprachliche Schwierigkeiten hatten, Begriffe zu verstehen, die sie nicht oder schlecht kannten. Wir vermuteten auch, dass sie kaum oder gar keinen Bezug zu biologischem Landbau, schon gar nicht zu bioveganem Landbau, sowie zu Ernährungsstilen wie vegetarisch oder vegan hatten. Konzepte wie Klimawandel oder Treibhauseffekt, das Verschwinden von Regenwäldern, das Abschmelzen des Polareises oder die gigantischen Mengen an Mist und Gülle, die durch die Massentierhaltung anfallen, waren den beteiligten Kindern nicht bekannt. Schon allein die Begriffe waren ihnen fremd.

Grafik-Foodwatch

18% der klimaschädlichen Gase werden laut FAO (Welternährungsorganisation) durch die Viehzucht verursacht, mehr als der gesamte Verkehr auf der Straße, Schiene, dem Wasser und in der Luft. Das renommierte Worldwatch Institut hat die Zahlen überprüft und errechnete, dass sogar 51% der Treibhausgase auf die Viehzucht zurückzuführen sind. Die Grafik zeigt, wie groß der Einfluss unseres Ernährungsstils für den Klimaschutz ist.

 1. Mache die Vorbildfunktion Deines Angebots transparent und fördere Wertschätzung

Bei allen Angeboten von Bildung zum Schutz der Erde ist die Vorbildfunktion der BegleiterInnen, die den Workshop leiten, besonders wichtig. Was Du selbst in Deinem Alltag praktizierst, so gesund, klima-, tier- und umweltfreundlich Du Dich selbst ernährst, so authentisch kannst Du auch Dein Ernährungsangebot gestalten. Denn Du musst damit rechnen, dass Dich die Kinder befragen, wie Du selbst bestimmte Dinge im Alltag umsetzt.

Ein leckeres, buntes Partybuffet bietet eine hervorragende Möglichkeit, um die Kriterien einer zukunftsfähigen Ernährung zu verstehen. In der Broschüre „Klima sucht Schutz“ findest Du ab Seite 5ff. eine Übersicht über die Kriterien, die in der folgenden Liste weiter vervollständigt sind. Die Reihenfolge entspricht in etwa der Wirkung im Sinne einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung. Das heißt, dass Du durch die Reduzierung Deines Konsums tierischer Lebensmittel den höchsten Klimaschutzeffekt erreichst:

  1. Pflanzliche Kost besser als tierische Lebensmittel
  2. Bio besser als konventionell
  3. Saisonal besser als unter Glas
  4. Regional besser als global
  5. Frisch besser als tiefgekühlt
  6. Gering bzw. mäßig verarbeitete Lebensmittel besser als „Laborlebensmittel“
  7. Umweltverträglich oder unverpackte Erzeugnisse besser als einwegverpackte
  8. Sozialverträgliche Produkte (z.B. fairer Handel) besser als unfaire

Und natürlich sollten auch möglichst wenig Lebensmittel weggeworfen werden und Einkäufe gut geplant sowie mit möglichst umweltfreundlichen Verkehrsmitteln getätigt werden

Der tierethische Aspekt spielt in dieser Kriterienliste keine Rolle, weil die Agenda 21 lediglich eine nachhaltige Entwicklung fördern will, aber das Recht von Tieren auf Leben nicht anerkennt. Doch selbstverständlich kann und sollte auch dieser ethische Aspekt angesprochen werden, damit Kinder sich dazu eine eigene Meinung bilden können. Das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung ist seit der Verabschiedung der Agenda 21 im Jahr 1992 Konsens. Die Vision einer friedlichen, gewaltfreien Erde für Menschen, Tiere und Natur leider (noch) nicht. Ob die Kinder sich für die gesellschaftlich vorherrschende, nicht nachhaltige Ethik, für die Ethik der Nachhaltigkeit oder die Ethik einer friedlichen, gewaltfreien Erde entscheiden, das ist und bleibt ihre freie Entscheidung.

Ziel des Workshops zu Klimaschutz und Ernährung ist es, dass die Kinder erleben, dass eine biovegane, möglichst saisonale, regionale Ernährung mit vielen frischen Zutaten nicht nur ausgesprochen lecker sein kann, sondern unter Aspekten des Klima-, Tier- und Umweltschutzes sowie unter dem Gesichtspunkt der globalen Gerechtigkeit optimal und gleichzeitig auch sehr gesund ist.

Partybuffe-Goetheschule-Do.nachmittag

Eine biovegane, möglichst saisonale, regionale Ernährung mit vielen frischen Zutaten kann nicht nur ausgesprochen lecker sein, sondern hat auch viele Vorteile für Klima, Umwelt, Menschen, Tiere und globale Gerechtigkeit

Unser Auswahl der Lebensmittel:

  • Saisonale Tomaten, Gurken, rote und gelbe Paprika, Kohlrabi, Radieschen, Karotten, Fenchel, Salate aus regionalem, bioveganem friedfertigem Landbau, der ohne Nutztierhaltung, ohne Einsatz von Mist und Gülle, also ohne Verwendung irgendwelcher tierischen Stoffe wie Blut-, Horn- und Knochenmehl auskommt,
  • Wassermelonen, Äpfel, Kiwis, Nektarinen, Zitronen aus Italien
  • Biofaire Bananen aus Übersee
  • Ananasstückchen im Glas
  • Schwarze Oliven im Glas
  • Mais im Glas
  • (Vortags-)Vollkornbrot (Sonnenblumen-Roggen-Weizenmischbrot) und (Vortags-)Dinkel­baguette, Brötchen, Baguette mit Mehl, das den lebendigen Keimling enthält
  • Fleischersatzprodukte (Hülle und Vülle, Räuchertofu in Scheiben (Wheaty), Räuchertofu (Taifun), zwei Sorten veganer Salami (Wheaty und „Papillon“ von Taifun, Drachentofu (Lord of Tofu)
  • biovegane Käsealternativen (Soyananda Frischkäse mit Kräutern und Knoblauch, Veganella – Alternative zu Mozzarella mit Bio-Cashews von Soyana)
  • verschiedenfarbige Sonnenblumenkernaufstriche (Lebe Gesund)
  • Alsan Margarine (Pflanzenbutter).

Diese Zutaten haben sich bei unseren Einsätzen besonders bewährt, weil das frische biovegane Gemüse wirklich noch nach Tomate, Gurke etc. schmeckt und weil die Fleisch- und Käseersatzprodukte den meisten Beteiligten in der Regel gut schmecken.

Du solltest den Kindern ans Herz legen, dass Du wirklich die allerbesten Zutaten gekauft hast, aus teurerem biologischem oder bioveganem Landbau und dass Du darum bittest, dass alle Beteiligten darauf achten, dass so wenig wie möglich weggeworfen wird. Gegebenenfalls zeigst Du, wie sie Obst und Gemüse schneiden sollen, damit möglichst wenig im Biomüll landet.

Erläutere, dass in Wurst, Fleisch und Käse, die sie auf dem Tisch sehen, nichts vom Schwein ist, was meist von muslimischen Kindern gefragt wird. Natürlich, erklärst Du, ist auch nichts von Hund, Katze, Pferd, Meerschweinchen, Hase, Huhn, Rind, Pute oder Heuschrecke enthalten. Wenn Du diese Aufzählung entsprechend Wort für Wort dramatisierst, werden die Kinder bei manchen Tieren „ääh, igitt“ rufen, bei anderen aber nichts kommentieren. So hast Du in der späteren Reflexionsrunde einen Ansatz, um darüber zu reden, warum – je nach Kultur oder ethischer Einstellung – das Essen des einen Tiers akzeptiert, das Essen des anderen aber abgelehnt wird. So können die Kinder das reflektieren. Wenn Du am Ende der Aufzählung betonst, dass alle Zutaten ohne Tier, also rein pflanzlich sind, kannst Du auch den Begriff „vegan“ bzw. „biovegan“ nennen, dessen Bedeutung die Kinder bei entsprechender Vorbereitung schon einmal gehört haben.

Am Ende des Workshops kannst Du den Kindern die Frage stellen, warum manche Menschen nicht nur den Konsum tierischer Lebensmittel reduzieren, sondern eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung wählen. Das kann dazu führen, dass die Kinder auch Dir bzw. Deinem Team die Frage stellen, ob Du / Ihr Euch vegan ernährt. Wenn das passiert – so haben wir es erlebt – wird das Gespräch sehr lebendig, weil die Kinder sich vor allem auch für Dich / Euch als Mensch und Vorbild interessieren und vieles wissen wollen. Erfahrungsgemäß können sie sich das, was sie selbst bewegt hat, was sie von Dir / Euch wissen wollen, am besten merken.

Aufbau-Partybuffet

Eine biovegane, möglichst saisonale, regionale Ernährung mit vielen frischen Zutaten ist nicht nur ausgesprochen lecker, sondern hat auch viele Vorteile für Klima, Umwelt, Tiere, Menschen und globale Gerechtigkeit

2. Gestalte möglichst gute Rahmenbedingungen

Gestalte den Raum so, dass alles, was Du vorbereitet hast, einen hohen Aufforderungscharakter hat. Die Kinder sollen, sobald sie sich an die Tischgruppen gesetzt haben und die Regeln erklärt hast, sofort beginnen können. Kläre vorab mit der Lehrkraft und den Kindern, dass ihr Euch nicht an das Pausenklingeln halten werdet, sondern gemeinsam in der Gruppe beschließt, wann ihr eine Pause braucht. Kläre, dass die Kinder, wenn sie möchten, Wasser trinken können, was insbesondere bei großer Hitze sehr wichtig ist.

 

3. Setze Bewegungs(lern)spiele ein, bei denen alle Kinder beteiligt sind

Zum Einstieg ist bei älteren Kindern oder Kindern mit einigem Vorwissen das Klimawandel-Begriffespiel gut geeignet. Bei den SchülerInnen in Ludwigshafen haben wir es nur einmal verwendet, weil wir merkten, dass den Kindern viel zu viele Zusammenhänge und Begriffe unbekannt und fremd waren.

In diesem Fall ist es besser, gemeinsam mit den Kindern zu klären, dass sie hier im Workshop ganz wichtige Dinge lernen dürfen, mit denen sie zum Schutz des Klimas beitragen können. Wenn auf die Frage „Warum braucht das Klima eigentlich Schutz?“ nichts oder wenig kommt, kannst Du gleich das Treibhausspiel (siehe Handbuch „Das Erdschützerprojekt“) mit ihnen spielen, damit sie verstehen, dass die Erde durch den Treibhauseffekt immer heißer wird. Dabei sollen alle Kinder eine Rolle übernehmen, um sich bewegen zu dürfen.

 

Spiel „1,2 oder 3“
Anschließend kannst Du das beliebte Spiel „1,2 oder 3“ spielen. Male mit Kreide drei Felder auf den Schulhof und beschrifte sie mit 1,2 oder 3. Die Fernsehsendung kennen die allermeisten Kinder. Du kannst also Schätzfragen stellen, die Du Dir hier herunterladen kannst. Wir haben bevorzugt die Fragen zum Wasserverbrauch, zur Energieverschwendung (Kleinwagen / Hamburger) und zur Umweltverschmutzung durch Kot und Urin von Tieren gestellt. Bei dem Spiel spielen die Kinder sehr gerne mit und jubeln natürlich, wenn sie die richtige Lösung haben.

1-2-oder3-spiel

Wie in der Fernsehsendung: 1-2-oder3, letzte Chance und vorbei. Und ob Ihr wirklich richtig steht, das seht Ihr wenn das Licht angeht…

Positionslinienspiel
Meist eher am Ende des Workshops kannst Du fragen, wie klimafreundlich bzw. unfreundlich bestimmte Lebensmittel sind, z.B. „Döner mit Rindfleisch“, Butter, Käse, Tomaten im Sommer, Äpfel im Oktober, Erdbeeren im Winter usw. Die Kinder sollen, wenn sie meinen dass das Lebensmittel sehr klimafreundlich ist, ganz an die Linie rennen, wo Du stehst, wenn es sehr klimaunfreundlich ist, ganz an die gegenüberliegende Linie. Dazwischen gibt es selbstverständlich noch die verschiedensten Abstufungen. Um das Ergebnis zu präsentieren, solltest du die Tabelle auf Seite 5 der Broschüre „Klima sucht Schutz“ oder aus dem Büchlein „CO2-online“ in etwa kennen. Die Lehrkräfte können das später noch vertiefen.

 

Lüge oder Wahrheit

Um zu überprüfen, ob die Kinder bestimmte Begriffe richtig verstanden haben, kannst Du das ausführlich im Handbuch „Das Erdschützerprojekt“ beschriebene Spiel Lüge oder Wahrheit einsetzen. In einem Spielfeld mit einer Mittellinie stellen sich die Kinder in zwei gleichgroßen Gruppen jeweils ca. 1 Meter von der Mittellinie so auf, dass sich die beiden Gruppen gegenüberstehen. Die eine Gruppe ist die Gruppe „Lüge“, die andere die Gruppe „Wahrheit“. Wenn Du nun eine wahre Aussage machst, müssen die Kinder der Gruppe „Wahrheit“ die Kinder der Gruppe „Lüge“ versuchen zu fangen, bevor diese die Endlinie ihres Spielfelds erreicht haben. Nun machst Du eine Aussage, z.B.: „Vegetarier essen gerne Chicken Nuggets und Fisch“. Die Kinder der Gruppe „Lüge“ versuchen die Kinder der anderen Gruppe zu fangen, während diese ganz schnell zur Endlinie ihres Spielfelds rennen.

57.3-Lüge-Wahrheit

Lüge oder Wahrheit – Spiel zur Überprüfung

4. Lass die Kinder ein leckeres, buntes Partybuffet gestalten

Lasse die eine Hälfte der Klasse ein leckeres Partybuffet gestalten. Frage die Kinder, ob sie schon mal bei einer Party eingeladen waren und eingeladen wurden. Sie dürfen jetzt etwas so schön gestalten, dass den Gästen das Mund im Wasser zusammenläuft. Zeige ihnen einige Beispiele, wie man mit buntem Gemüse und Obst Brote dekorieren kann. Kläre mit den Kindern, wer Obst- und Gemüsespieße, wer dekorierte Partybrötchen und wer die Dekoration des Buffets sowie das herstellen von Radieschenmäuschen (1-4 Kinder) übernehmen will.

Kläre die Besonderheit der zur Verfügung stehenden Zutaten (siehe oben) und dass möglichst wenig im Biomüll landen soll.

Teile den Kindern kleine Versuchsbrotstückchen aus, auf die sie kleine Kleckse der verschiedenen Aufstriche mit Löffeln streichen und den Geschmack der Aufstriche testen können. Gib’ den Kindern, die probierfreudig sind, kleine Teststückchen von den Wurst- und Käsealternativen zum Probieren.

Erkläre vor allem den Kindern, die sich um die Dekoration des Buffets kümmern, dass sie die Präsentationsplatten mit Salatblättern auslegen und fertige Spieße und Partybrötchen eng aneinanderliegend darauf präsentieren sollen. Zeige ihnen auch, wie sie z.B. aus der Schale einer Wassermelone einen „Igel“ mit Obstspießen gestalten können, was auch mit Gurkenschiffchen oder halben Paprikas möglich wäre.

Goetheschule-Donnerstagnachmittag-Partybuffetgestaltung

5. Kläre die Regeln, mache klare Ansagen

Kläre zunächst die Hygieneregeln. Die Kinder sollten natürlich vorab alle ihre Hände gewaschen haben. Zeige gegebenenfalls, vor allem, wenn Du siehst, dass manche Kinder mit dem Messer nicht richtig umgehen können, wie man schneiden sollte, ohne sich zu verletzen. Wichtig ist, dass Du das Ziel des Buffets immer wieder klar machst. Jedes Kind, das ein dekoriertes Partybrötchen gestaltet, soll dies im Zweifelsfalle selbst gerne essen wollen. Es macht keinen Sinn, wenn Kinder etwas zubereiten, was sie selbst nicht gerne essen würden. Erkläre, dass sie kreativ sein dürfen, dass es aber keinen Sinn macht, wenn sie etwas gestalten, das man nicht mit der Hand greifen kann (z.B. ein Häuschen aus Brotscheiben oder Obstsalat). Obstsalat könnte allenfalls in Salatblättern angerichtet werden. Bespreche mit den Kindern, was sie selbst gerne auf einem dekorierten Partybrötchen hätten. Wenn ein Kind ein trockenes Brot mit ein paar Karottenscheiben belegt, frage es, ob es das selbst so gerne essen würde oder frage die Gruppe. Wenn es bejaht wird, ist es okay, aber meist werden Brotscheiben ohne Aufstrich am Ende liegen gelassen. Achte darauf, dass die Kinder wirklich verstanden haben, dass ein buntes, kreatives Buffet entstehen soll, von dem sich später jedes Kind das nehmen darf, was ihm gefällt. Sonst kann es sein, dass manche Kinder sich z.B. ein Doppeldeckerbrot zubereiten, weil sie denken, dass es darum geht sich selbst ein Vesperbrot zu richten. Besprich auch, dass die Obst- bzw. Gemüsespieße für alle attraktiv sein sollen. Sonst kann es sein, dass ein Kind ein Kunstwerk aus Zahnstochern gestaltet, am Ende aber nichts zu essen für alle da ist oder dass auf jeden Zahnstocher nur eine Bananenscheibe gespießt wird.

 

6. Baue schnell wertschätzende Beziehungen zu den Kindern auf

Ein vierstündiger Workshop ist extrem kurz. In dieser kurzen Zeit Beziehungen zu Kindern aufzubauen, ist nicht leicht. Versuche dennoch, möglichst jedes Kind bewusst wahrzunehmen und es mit seinem Namen anzusprechen. Du kannst die Lehrkraft bitten, dass sie für die Kinder vorab Namensschilder erstellt. Das erleichtert die Sache. Beobachte, was Kinder Positives einbringen – z.B. Hilfsbereitschaft, Verantwortungsfreude, Kreativität. Bringe Deine Wertschätzung und Anerkennung dafür zum Ausdruck.
Ich persönlich biete bei Schulprojekten Kindern auch an, mich mit Vornamen und „Du“ anzusprechen. Denn damit will ich auch ein Stück weit unsere so genannte Normalität in Frage stellen: Warum eigentlich ist es für uns selbstverständlich, dass Erwachsene Kinder duzen, umkehrt Kinder dies aber bei Erwachsenen meist nicht tun dürfen? Für mich ist es wichtig, eine partnerschaftliche Beziehungsebene aufzubauen, in der Kinder Vertrauen und Offenheit entwickeln, in der sie sich trauen, die Fragen zu stellen, die sie wirklich bewegen und in der sie mich als Begleiter wahrnehmen. Im Handbuch „Das Erdschützerprojekt“ findest Du zu diesem Thema viele weitere Anregungen.

 

7. Gestalte eine Wohlfühlatmosphäre

Das Allerwichtigste bei einem so kurzen Workshop ist meines Erachtens, dass die Kinder, gemeinsam mit ihrer Bezugsperson, der Lehrkraft, ein positives Erlebnis haben. Sie sollen Spaß und Freude bei ihrem Tun haben, sie sollen die Möglichkeit erhalten, bei der Partybuffetgruppe eigene, kreative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Sie sollen Erfolgserlebnisse haben. Auch wenn Schulzeit Pflichtzeit ist, versuche dennoch den Freiwilligkeitscharakter des Angebots stets hervorzuheben. Bei der Einführung betone ich, dass die Kinder eine sehr wichtige Aufgabe übernehmen dürfen, dass sie sich nämlich zu Klimaschutzköchinnen und –köchen ausbilden lassen können. Du solltest also versuchen, eigene Motivation zu fördern und Begeisterung zu entfachen. Wenn Kinder auf Deine Fragen Wortbeiträge einbringen, versteht es sich meines Erachtens von selbst, dass Du in jedem Beitrag, auch wenn er völlig „daneben“ sein sollte, einen positiven Aspekt hervorhebst, es sei denn, ein Kind will absichtlich provozieren oder die Sache lächerlich machen. In der Schule erfahren Kinder, dass Lehrkräfte sie benoten und dass damit auch Misserfolge und Auslese verbunden sind. Das führt dazu, dass sie mich beim Gestalten des Buffets oft fragen: „Ist das gut so? Kann ich das so lassen?“ Darauf antworte ich: „Das Buffet soll den Gästen Freude machen, also frag’ doch am besten die Gäste und einer der Gäste bist ja auch Du selbst“. So lernen die Kinder, sich von Wertungen Erwachsener unabhängiger zu machen und eine eigene Meinung zu entwickeln.

Wenn Kinder beim Pizzakaufspiel Klimapluspunkte erhalten, weil sie auf die Schätz- oder Begriffsfragen die richtige Antwort wählten, johlen sie oft begeistert. Lass es zu, dass die Kinder ihre Freude und Lebendigkeit zeigen. Bestimmt fallen Dir selbst noch etliche weitere Punkte ein, mit denen Du zu einer Wohlfühlatmosphäre beitragen kannst.

PIzzakaufspiel in der GRoßgruppe

Das Pizzakaufspiel in der Großgruppe…

Pizzakaufspiel-Karl-Kreuter-Schule

…und in der Kleingruppe

8. Ermögliche schnelle Erfolgserlebnisse

In allen Phasen des Workshops sollten die Kinder schnelle Erfolgserlebnisse haben. Wähle darum Lernspiele (Methoden), bei denen immer möglichst viele Kinder gleichzeitig beteiligt sind und bei denen sie ganz schnell Erfolgserlebnisse haben können. Das ganze Pizzakaufspiel, das wir einsetzen, ist so aufgebaut, aber auch die oben beschriebenen Lernspiele (Treibhauseffekt, Spiel 1,2 oder 3, Positionslinie, Lüge oder Wahrheit). Aber selbstverständlich ist auch die komplette Aktivität der Partybuffetgestaltung so aufgebaut, dass die beteiligten Kinder ständig kleine Erfolgserlebnisse haben. Sie können Partybrötchen gestalten, sie haben kreative Ideen, sie können schön dekorieren usw

Hast Du Fragen oder weitere Ergänzungen? Wir freuen uns auf Deine Kommentare.

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